Tagschlaf, Senioren

Tagschlaf bei Senioren: HÀufige Nickerchen mit 48 Prozent höherem Demenzrisiko

Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 00:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Langzeitstudie fand bei Àlteren Menschen einen Zusammenhang zwischen hÀufigem Tagschlaf und Demenz, belegt jedoch keine Ursache.
Ein ungemachtes, ruhig wirkendes Bett in einem schlafzimmer mit sanftem Tageslicht, das eine AtmosphÀre der Ruhe vermittelt. Illustration mit AI erstellt.

Forscher der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health haben im Rahmen einer Langzeituntersuchung analysiert, wie sich regelmĂ€ĂŸiger Tagschlaf bei Ă€lteren Menschen auf das kognitive Profil auswirkt. Die ĂŒber einen Zeitraum von rund zehn Jahren erhobenen Daten deuten auf statistische AuffĂ€lligkeiten hin, werfen jedoch zugleich wesentliche Fragen zum Zusammenspiel von Schlafregulation und neurodegenerativen Prozessen auf.

Erhöhtes Risiko bei hÀufigen Ruhephasen am Tag

Die Datengrundlage der Untersuchung bildete die National Health and Aging Trends Study mit etwa 9.000 Senioren. Daraus wurden 995 Medicare-Versicherte im Alter ab 65 Jahren analysiert, die zu Studienbeginn im Jahr 2013 keine Demenz aufwiesen und bis 2023 nachbeobachtet wurden.

Bei einer maximalen Nachbeobachtungszeit von zehn Jahren erfasste die Studie Nickerchen ĂŒber Selbstberichte, wĂ€hrend das Vorliegen einer Demenz ĂŒber einen standardisierten Algorithmus anstelle von Einzeldiagnosen durch Ärzte ermittelt wurde.

Dabei zeigte sich, dass hĂ€ufige Nickerchen an den meisten Tagen oder tĂ€glich mit einem um 48 Prozent höheren Risiko fĂŒr eine mögliche oder wahrscheinliche Demenz verbunden waren (adjustierte Hazard Ratio 1,48) im Vergleich zu Personen, die tagsĂŒber nicht schliefen.

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In der group mit hĂ€ufigen Nickerchen entwickelte etwa die HĂ€lfte der Teilnehmer Demenzzeichen, wĂ€hrend dieser Anteil in der Gruppe ohne Tagschlaf bei rund 38 Prozent lag. Dieser Zusammenhang blieb auch dann signifikant, wenn die in den ersten fĂŒnf Jahren aufgetretenen DemenzfĂ€lle aus der Analyse ausgeschlossen wurden.

Einfluss von Schlafdauer und Unbeabsichtigtheit

Die Auswertungen verdeutlichen zudem, dass die Art des Einschlafens eine Rolle spielt. Ein unbeabsichtigtes Einschlafen wĂ€hrend des Tages war mit einem um 39 Prozent höheren Demenzrisiko verbunden. DemgegenĂŒber ergab sich kein statistischer Zusammenhang bei seltenen oder gezielt geplanten Ruhepausen; beabsichtigte Nickerchen erwiesen sich nach statistischer Adjustierung als nicht mehr signifikant.

Hinsichtlich der Dauer zeigte sich bei kurzen Nickerchen von höchstens 30 Minuten nach entsprechender Adjustierung ein um 40 Prozent höheres Risiko. Bei lĂ€ngeren Schlafphasen am Tag schwĂ€chte sich dieser Zusammenhang hingegen ab, sobald Faktoren des nĂ€chtlichen Schlafs in den Berechnungen berĂŒcksichtigt wurden.

Mögliche Indikatoren fĂŒr neuronale VerĂ€nderungen

Da es sich um eine reine Beobachtungsstudie handelt, ist eine KausalitÀt nicht nachgewiesen, und auch eine umgekehrte KausalitÀt kann nicht ausgeschlossen werden. Diskutiert wird ein möglicher wechselseitiger Zusammenhang, bei dem das wiederholte Einschlafen am Tag sowohl Einflussfaktor als auch Folge von VerÀnderungen in den schlafsteuernden Hirnarealen sein könnte.

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Adam Spira von der Forschungseinrichtung ordnete die Ergebnisse dahingehend ein, dass hĂ€ufigere Nickerchen eher ein Indikator fĂŒr beginnende HirnverĂ€nderungen als deren auslösende Ursache sein könnten.

Als biologischer Mechanismus kommt unter anderem eine BeeintrĂ€chtigung der Orexin-Neurone im Hypothalamus durch Ablagerungen von Tau-Proteinen in Betracht. Vor diesem Hintergrund könnte eine ausgeprĂ€gte TagesschlĂ€frigkeit ein frĂŒhes klinisches Signal darstellen.

Bei einer deutlichen TagesschlÀfrigkeit empfiehlt sich jedoch auch die AbklÀrung anderer möglicher Ursachen, wie etwa die Einnahme von Blutdruck- oder Angstmedikamenten sowie das Vorliegen von Stoffwechselerkrankungen. Tritt eine plötzliche Zunahme des Schlafdrangs am Tag auf, raten Experten zu einer neurologischen oder schlafmedizinischen Untersuchung.

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