Telemedizin: Senioren ĂŒber 65 nutzen Videosprechstunden am schnellsten
Veröffentlicht am: 19.07.2026 um 10:10 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle Daten zeigen: Die Generation, die lange als digital skeptisch galt, ist inzwischen die am schnellsten wachsende Nutzergruppe bei Videosprechstunden.
Videosprechstunden: Senioren nehmen sich doppelt so viel Zeit
Die Plattform TeleClinic verzeichnet seit 2021 das stĂ€rkste relative Wachstum bei Patienten ĂŒber 65 Jahren. Dabei verteilt sich die Nutzung gleichmĂ€Ăig auf die Altersgruppen 65-75, 75-85 und ĂŒber 85 Jahre.
Besonders auffĂ€llig: Ăltere Patienten nehmen sich mit durchschnittlich 13 Minuten fast doppelt so viel Zeit fĂŒr eine Videosprechstunde wie der Durchschnitt aller Nutzer. Hauptanwendungsgebiete sind chronische Erkrankungen, RezeptverlĂ€ngerungen und HautverĂ€nderungen. Insgesamt liefen ĂŒber die Plattform bereits mehr als vier Millionen Videosprechstunden.
Klinische Projekte setzen auf digitale Nachsorge
Das Projekt âTele Alpineâ geht neue Wege in der Herzinfarkt-Nachsorge. Die Klinik FĂŒssen, die MedUni Innsbruck und das UniversitĂ€tsklinikum Augsburg haben eine App entwickelt, die bis zu zehn Risikofaktoren wie Blutdruck, Blutzucker und Cholesterinwerte erfasst.
Der Hintergrund: Mehr als die HÀlfte der Betroffenen erreicht ein Jahr nach dem Infarkt die medizinischen Zielwerte nicht. SpÀter soll die App an die elektronische Gesundheitsakte (ELGA) angebunden werden.
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Erfolge gibt es auch in der Geriatrie. Das Projekt âReduriskâ des Innovationsfonds untersuchte 589 Patienten ab 70 Jahren an der UniversitĂ€tsklinik Freiburg. Ein strukturiertes Risikoscreening verbesserte die kognitive LeistungsfĂ€higkeit, MobilitĂ€t und SelbststĂ€ndigkeit nach der Entlassung deutlich.
Ehrenamtliche helfen bei der Digitalisierung
Hessen baut sein UnterstĂŒtzungsnetzwerk aus. Seit Juli 2026 gibt es in allen Landkreisen und kreisfreien StĂ€dten sogenannte Di@-Lotsen-StĂŒtzpunkte. Mehr als 680 Ehrenamtliche helfen an 80 Standorten bei Smartphone-Bedienung, Videotelefonaten oder digitalen BehördengĂ€ngen. Die Koordination ĂŒbernimmt die Landesstiftung Miteinander in Hessen.
Ein Startup geht noch einen Schritt weiter: Care Voice hat einen KI-basierten Telefondienst entwickelt. Das System fĂŒhrt regelmĂ€Ăige GesprĂ€che auf Basis hinterlegter Biografien und Hobbys und bietet GedĂ€chtnistrainings an. Die Server stehen in der EU â kein Ersatz fĂŒr PflegekrĂ€fte, aber eine ErgĂ€nzung gegen Einsamkeit.
Digitale Lösungen unterstĂŒtzen heute aktiv dabei, die geistige Fitness bis ins hohe Alter zu erhalten und Demenz gezielt vorzubeugen. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Ratgeber, welche elf einfachen AlltagsĂŒbungen Ihr GedĂ€chtnis und Ihre Konzentration nachhaltig stĂ€rken. Diese 11 AlltagsĂŒbungen halten Ihr Gehirn bis ins hohe Alter fit
Politik justiert Telemedizin-Regeln neu
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) verteidigt ihre PlÀne: Die telefonische Krankschreibung soll abgeschafft werden, eine Krankschreibung per Videosprechstunde bleibt aber möglich. Reine Online-Fragebögen ohne Arztkontakt will die Ministerin unterbinden.
Der HausĂ€rzteverband und Politiker wie Karl Lauterbach unterstĂŒtzen diesen Kurs gegen rein kommerzielle Anbieter.
Gleichzeitig fordert der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) einen eigenstĂ€ndigen Erstattungsweg fĂŒr Telemonitoring. Bisher gibt es das nur fĂŒr Herzinsuffizienz-Patienten. Der Verband schlĂ€gt eine Erweiterung des Hilfsmittelverzeichnisses vor â angelehnt an das Fast-Track-Verfahren fĂŒr Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA).
Vertrauen ins Gesundheitssystem sinkt â Digitalbereitschaft bleibt hoch
Das PwC Healthcare-Barometer 2026 zeigt einen historischen Tiefstand: Nur noch 50 Prozent der Befragten zĂ€hlen das deutsche Gesundheitssystem zu den drei besten weltweit. 2020 waren es noch 72 Prozent. Die gröĂte Sorge ist die Finanzierbarkeit â eine geplante Zuckersteuer ab 2027 soll helfen.
Doch die Digitalbereitschaft ist da: 82 Prozent der Befragten wĂŒrden ihre Gesundheitsdaten fĂŒr Forschungszwecke freigeben.
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