Typ-2-Diabetes: Bewegung bringt Ălteren den gröĂten absoluten PrĂ€ventionsnutzen
Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 18:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
RegelmĂ€Ăige moderate bis intensive körperliche AktivitĂ€t senkt das Risiko fĂŒr Typ-2-Diabetes in jeder Altersgruppe. Zu diesem Ergebnis kommt ein niederlĂ€ndisches Forschungsteam um Qiuyu Feng aus Leiden.
WĂ€hrend jĂŒngere Menschen prozentual betrachtet stĂ€rker von der Bewegung profitieren, fĂ€llt der absolute PrĂ€ventionsnutzen bei Ă€lteren Personen sowie bei Menschen mit bestehendem PrĂ€diabetes am gröĂten aus.
Die wissenschaftliche Untersuchung analysierte neben dem Alter auch Faktoren wie das Geschlecht, den Ausgangsstoffwechselstatus bezĂŒglich PrĂ€diabetes, DyslipidĂ€mie, Hypertonie und Adipositas sowie den konkreten Zeitpunkt der AktivitĂ€t. Die Ergebnisse wurden auf dem 62. Kongress der European Association for the Study of Diabetes (EASD) in Mailand vorgestellt.
Beobachtungsdaten aus der UK Biobank
Die Auswertung stĂŒtzt sich auf eine Kohorte der UK Biobank mit knapp 88.000 Teilnehmern und erschien im Fachjournal Diabetes, Obesity and Metabolism unter dem Titel Age-Specific Associations of Moderate-to-Vigorous Physical Activity With Relative and Absolute Risk of Type 2 Diabetes in UK Biobank Participants.
Nach statistischer Adjustierung zeigte sich ein Hazard-Ratio-Wert von 2,07 beim Vergleich von niedrigerer mit höherer AktivitÀt. Die aktivste Gruppe verzeichnete im Median 409 Minuten AktivitÀt pro Woche, verglichen mit 121 Minuten in der weniger aktiven Gruppe.
Bei Teilnehmern im Alter von bis zu 62,7 Jahren lag die Hazard Ratio bei 2,44, wÀhrend sie bei Àlteren Personen 1,65 betrug. Die Autoren weisen darauf hin, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handelt und damit keine KausalitÀt nachgewiesen ist.
Zudem stellen die beobachteten 409 Minuten einen Gruppen wert dar und sind nicht als medizinisches Ziel zu verstehen. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt als Richtwert mindestens 150 Minuten moderate bis intensive AktivitÀt pro Woche beziehungsweise 150 bis 300 Minuten moderate Aerobik, ergÀnzt durch Krafttraining an mindestens zwei Tagen.
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Zusammenspiel mit ErnÀhrung und genetischer Veranlagung
ErgÀnzende Befunde lieferte eine weitere auf dem EASD-Kongress prÀsentierte Untersuchung von Wenxin Xu von der City University Hong Kong, die 56.964 Erwachsene aus der UK Biobank mit einem mittleren Alter von 69 Jahren umfasste.
Demnach reduzierte die Kombination aus einem geringen Anteil hochverarbeiteter Lebensmittel und moderater bis intensiver Bewegung das Typ-2-Diabetes-Risiko bei mittlerer genetischer Veranlagung um bis zu 70 Prozent. Bei hoher genetischer Disposition lag die Verringerung bei 49 Prozent, bei niedriger Veranlagung bei 59 Prozent.
Das Diabetesrisiko stieg laut der Auswertung um 7 Prozent je 10 Prozent Gewichtsanteil hochverarbeiteter Nahrungsmittel an der ErnÀhrung. Das Erreichen der WHO-Bewegungsempfehlung von 150 Minuten moderater AktivitÀt pro Woche war im Vergleich zu geringerer Bewegung mit einem um 39 Prozent geringeren Risiko verbunden.
Bei Personen mit hoher genetischer Veranlagung ging ein ausreichendes MaĂ an Bewegung mit einer Risikosenkung von 33 Prozent einher, wĂ€hrend ein geringer Konsum hochverarbeiteter Produkte mit einem Gewichtsanteil von höchstens 11 Prozent das Risiko um 35 Prozent senkte. Auch fĂŒr diese Analyse gilt die EinschrĂ€nkung, dass sie keine KausalitĂ€tsaussage erlaubt.
Physiologische Mechanismen und Muskeltraining
RegelmĂ€Ăige Bewegung kann den Langzeitblutzucker um rund 10 Prozent senken, und dies auch ohne gleichzeitigen Gewichtsverlust. WĂ€hrend der Muskelarbeit kann die zellulĂ€re Glukoseaufnahme um das bis zu FĂŒnffache steigen.
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Bereits kurze SpaziergĂ€nge nach den Mahlzeiten dĂ€mpfen den Blutzuckeranstieg. Dies ist insbesondere fĂŒr Senioren relevant, da etwa jeder zehnte Mensch ĂŒber 75 Jahren an Diabetes erkrankt ist und bis zur HĂ€lfte der Betroffenen NervenschĂ€den entwickelt.
ZusĂ€tzlich gewinnt der Erhalt der Muskulatur im Alter an Bedeutung. Sportwissenschaftler Stephan Geisler von der IST-Hochschule DĂŒsseldorf verweist darauf, dass bei einem sitzenden Lebensstil ab dem 30. Lebensjahr pro Jahrzehnt etwa 3 bis 8 Prozent der Muskelmasse verloren gehen, ein Prozess, der sich ab einem Alter von etwa 60 Jahren noch beschleunigt.
Gezieltes Muskeltraining kann Typ-2-Diabetes vorbeugen und den Verlauf der Erkrankung gĂŒnstig beeinflussen. Neben den allgemeinen Bewegungsempfehlungen zeigt bereits ein wöchentliches Krafttraining positive Effekte; bei rund 35 chronischen Erkrankungen gilt körperliche AktivitĂ€t als wirksame UnterstĂŒtzungsmaĂnahme.
