UCL-Studie mit 50 Erwachsenen: Verarbeitungsgrad beeinflusst den Gewichtsverlust
Veröffentlicht am: 01.11.2026 um 18:45 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Verwertung von NÀhrstoffen im menschlichen Körper hÀngt von weit mehr Faktoren ab als von der reinen Kalorienmenge auf dem Teller. Eine Untersuchung des University College London verdeutlicht, wie stark der Verarbeitungsgrad von Lebensmitteln Stoffwechselprozesse beeinflussen kann.
In einer achtwöchigen Studie mit 50 Erwachsenen, davon 90 Prozent Frauen mit einem Durchschnittsalter von 43 Jahren und einem Body-Mass-Index von 32,7, erhielten zwei Gruppen identische NÀhrstoffmengen. WÀhrend eine Gruppe minimal verarbeitete Nahrungsmittel zu sich nahm, konsumierte die andere ultrahoch-verarbeitete Produkte.
Der Einfluss der Verarbeitung auf Gewichtsverlust und Gesundheit
Die Ergebnisse der Untersuchung des University College London zeigen deutliche Abweichungen im Gewichtsverlauf. Teilnehmer mit minimal verarbeiteter Kost verloren 2,06 Prozent ihres Ausgangsgewichts, wÀhrend der Verlust in der Gruppe mit ultrahoch-verarbeiteten Lebensmitteln bei 1,05 Prozent lag.
Ausgehend von einem durchschnittlichen Ausgangsgewicht von 89,4 Kilogramm entsprach dies einem Gewichtsverlust von 1,8 Kilogramm gegenĂŒber knapp 1 Kilogramm. Eine Hochrechnung auf ein volles Jahr ergab bei MĂ€nnern eine Differenz von minus 13 Prozent zu minus 4 Prozent und bei Frauen von minus 9 Prozent zu minus 5 Prozent.
Zudem wirken hochverarbeitete Produkte trotz gleichem Kaloriengehalt anders auf den Organismus. Ultrahoch-verarbeitete Nahrungsmittel stehen in der Forschung in Verbindung mit einem erhöhten Risiko fĂŒr verengte HerzkranzgefĂ€Ăe, Typ-2-Diabetes und Darmkrebs.
Individuelle Genetik und Energieverwertung
Neben dem Verarbeitungsgrad steuern genetische Voraussetzungen und das Mikrobiom die NÀhrstoffaufnahme. Nach Angaben des Genforschers Dr. Daniel Wallerstorfer von NovoDaily beeinflusst etwa das VerhÀltnis von Firmicutes zu Bacteroidetes im Darm die Energieausbeute.
Bei einer identischen Mahlzeit von 500 Kilokalorien nehme eine Person dadurch rund 550 Kilokalorien auf, wĂ€hrend eine andere lediglich etwa 480 Kilokalorien verwerte. Das an der Arizona State University entwickelte DAMM-Modell (Digestion, Absorption, and Microbial Metabolism) quantifiziert diese Prozesse ebenfalls: Demnach fĂŒhrt eine ballaststoffreiche ErnĂ€hrung trotz erhöhter Produktion kurzkettiger FettsĂ€uren zu einer niedrigeren Netto-Kalorienaufnahme, wĂ€hrend Probanden mit westlicher Kost bei Ă€hnlicher SĂ€ttigung mehr Kalorien absorbieren.
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Auch spezifische Genvarianten spielen eine Rolle. Rund 58 Prozent der Bevölkerung tragen eine FABP2-Genvariante, die eine schnelle Fettresorption bewirkt, wĂ€hrend bestimmte FTO-Genvarianten das HungergefĂŒhl verstĂ€rken.
Bei körperlicher AktivitĂ€t funktionieren die Gene PPARG, FTO und ADRB3 nur bei 14 Prozent der Menschen optimal fĂŒr den Fettabbau, wĂ€hrend 86 Prozent geringere Abnehmerfolge durch Sport verzeichnen. Eine ADRB2-Variante begĂŒnstigt zudem den Abbau von Muskelmasse bei Ausdauereinheiten.
Mikrobiom-Muster und HeiĂhungermechanismen
Wie unterschiedlich Menschen auf ErnÀhrungsreize reagieren, belegt eine Studie aus dem Jahr 2024, die 21 Ballaststoff-Interventionen aus zwölf Untersuchungen mit 538 Teilnehmern und 2.564 Stuhlproben auswertete. Interindividuelle Differenzen im Mikrobiom erklÀrten rund 82 Prozent der Variation, die Intervention selbst hingegen nur etwa 1,5 Prozent.
Bereits 2019 zeigte eine Untersuchung an 174 Erwachsenen, dass resistente KartoffelstÀrke den Butyratspiegel bei etwa 63 Prozent der Personen erhöhte. War das Bakterium Ruminococcus bromii vorhanden, stieg der Wert bei etwa 76 Prozent, ohne dieses Bakterium lediglich bei rund 36 Prozent.
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Eine im Jahr 2025 im Fachjournal Nature erschienene Studie identifizierte zudem biochemische Signalwege bei HeiĂhunger. Demnach produziert das Darmbakterium Bacteroides vulgatus Pantothenat (Vitamin B5), welches ĂŒber den FFAR4-Rezeptor die Hormone GLP-1 und FGF21 anregt und so den Appetit auf Zucker dĂ€mpft.
In Versuchen mit MĂ€usen reduzierte Pantothenat oder eine Besiedlung mit diesem Bakterium das Zuckerverlangen signifikant; bei Patienten mit Typ-2-Diabetes ist der Keim seltener nachweisbar. FĂŒr Annahmen, dass MĂ€ngel an Magnesium, Zink oder Vitaminen HeiĂhunger auslösen, fehlen bislang belastbare Studien.
Perspektiven der personalisierten ErnÀhrung
Vor diesem Hintergrund gewinnt die Nutrigenetik an Bedeutung, die ErnĂ€hrungsplĂ€ne an individuelle Einzelnukleotid-Polymorphismen (SNPs) fĂŒr den Stoffwechsel von Fetten, Kohlenhydraten und Vitaminen anpasst. Die europĂ€ische randomisierte kontrollierte Food4Me-Studie belegte einen positiven Einfluss personalisierter Konzepte auf das Gesundheitsverhalten.
Auch eine Untersuchung von Nielsen und Kollegen stellte positive VerÀnderungen bei Bewegung und ErnÀhrung nach genomischen Tests fest. Obwohl allgemeine Leitlinien wie MyPlate eine wichtige Basis darstellen, bietet die personalisierte ErnÀhrung Vorteile durch gezieltere NÀhrstoffversorgung, prÀzisere PrÀvention und eine gesteigerte Motivation.
