Urlaub, Ruhe

Urlaub ohne Ruhe: 6 von 10 Beschäftigten arbeiten vorher 8 Stunden extra

Veröffentlicht: 30.06.2026 um 06:54 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Wachsende Bewegung gegen Überdigitalisierung: Experten fordern einfachere Bauweisen und mehr analoge Freiräume.

Technik-Reduktion: Trend zu einfacherem Leben und Wohnen
Hände legen ein Smartphone verdeckt auf einen Holztisch, neben einem Modell eines einfachen Hauses. Symbolisiert Enttechnisierung und Digital Detox. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Experten aus Bauwirtschaft und Sozialwissenschaften beobachten eine Bewegung hin zur gezielten Reduktion von Technik. Denn während Innovationen Effizienz versprechen, zeigen sich zunehmend die Schattenseiten der Durchdigitalisierung.

Wohnungsbau: Die dritte Miete wird zum Problem

Bauexperte Timo Leukefeld warnt vor einer „dritten Miete“ – den versteckten Kosten für Wartung und Unterhalt von Hightech-Systemen in modernen Gebäuden. Besonders im Sommer zeigt sich die Belastung: Das Kühlen von Wohnräumen ist pro Kilowattstunde inzwischen dreimal teurer als das Heizen.

Smarte Haustechnik entpuppt sich zunehmend als Stromfresser. Hinzu kommt eine sinkende Lebensdauer moderner Komponenten. Warm- und Kaltwasserzähler müssen bereits alle sechs Jahre ausgetauscht werden. Leukefeld plädiert für einfachere Bauweisen, um bezahlbares Wohnen langfristig zu sichern.

Digital Detox: Rebellion gegen das Smartphone

Die junge Generation entdeckt das Konzept des Digital Detox für sich. Eldrid Funck, Gründerin des Offline Clubs in Zürich, beobachtet eine wachsende Rebellion gegen die Dauerberieselung durchs Smartphone. Die Zahlen sind alarmierend: Ein Durchschnittsnutzer checkt sein Handy rund 100 Mal am Tag. Über das Leben summiert sich das auf fünf Jahre reine Scrollzeit.

Die WHO warnt vor den gesundheitlichen Folgen. Einsamkeit trotz digitaler Vernetzung wird in ihrer Schädlichkeit mit dem Rauchen gleichgesetzt. Handyfreie Veranstaltungen mit Lesen oder Basteln verzeichnen daher starken Zulauf – als Gegenentwurf zur permanenten Erreichbarkeit.

Arbeitswelt: Urlaub ohne Diensthandy? Fehlanzeige

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Der Druck durch Technik macht auch vor dem Urlaub nicht halt. Eine Umfrage der Wochenzeitung DIE ZEIT vom Juni 2026 zeigt: Sechs von zehn Beschäftigten arbeiten vor der Auszeit durchschnittlich acht Stunden extra. Nach der Rückkehr sieht es ähnlich aus.

Besonders kritisch: Zwei Drittel der Befragten waren im Sommerurlaub dienstlich erreichbar. Dabei betonen Experten, dass die vollständige Loslösung vom Job der wichtigste Faktor für echte Erholung ist. Die Technik fungiert hier als Brücke, die die Grenze zwischen Beruf und Privatleben auflöst.

Technik im Alter: Wenn Digitalisierung hilft

So kritisch die Übertechnisierung gesehen wird – gezielt eingesetzt, zeigt Technik auch positive Effekte. Eine Meta-Analyse im Fachjournal Nature Human Behaviour wertete Daten von über 411.000 Personen ab 50 Jahren aus. Ergebnis: Die regelmäßige Nutzung von Computern oder Internet verlangsamt den kognitiven Abbau um 25 Prozent.

Als Gründe nennen die Forscher die kognitive Komplexität bei der Bedienung, die Förderung sozialer Kontakte und die Funktion als Gedächtnisstütze. Auch die ACTIVE-Studie belegt, dass gezieltes Computertraining das Alzheimer-Risiko senken kann.

Industrie: KI-Agenten übernehmen die Arbeit

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Während im Privaten die Entschleunigung Einzug hält, treibt die Wirtschaft die Technisierung weiter voran. Laut einer OpenAI-Studie stammen inzwischen 85 Prozent aller KI-Outputs von autonomen Agenten – nicht mehr von klassischen Chatbots. 70 Prozent der Nutzer lassen Aufgaben delegieren, die mehr als eine Stunde dauern.

Unternehmen wie HP nutzen diese Technologien intensiv. Sicherheitsanalysen, die früher einen Monat benötigten, sind nun an einem Tag erledigt. Das setzt laut Unternehmensangaben wöchentlich rund 82 Arbeitsstunden frei – eine technisierte Entlastung, die im Kontrast zur privaten Enttechnisierung steht.

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