Urolithin, Studie

Urolithin A: Studie zeigt 1.918 verÀnderte Gene in Muskelzellen

Veröffentlicht am: 03.10.2026 um 16:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Forschung untersucht Urolithin A bei Muskelkraft, Herzfunktion und Immunzellen; Langzeitsicherheit und Wirkung beim Menschen bleiben offen.

Urolithin A: Studien zeigen Effekte auf Muskeln, Herz und Immunzellen
Eine aufgeschnittene Granatapfelfrucht mit WalnĂŒssen und Beeren auf einer Holzunterlage als Symbol fĂŒr natĂŒrliche Inhaltsstoffe. Illustration mit AI erstellt.

Wissenschaftliche Analysen heben die zentrale Rolle des Darmmikrobioms fĂŒr die Verwertung von Urolithin A hervor, wĂ€hrend die Longevity-Forschung zunehmend in den Blickpunkt rĂŒckt. Bei Urolithin A (UA) handelt es sich um einen Postbiotika-Metaboliten, der von Darmbakterien aus Ellagitanninen und EllagsĂ€ure gebildet wird, wie sie in GranatĂ€pfeln, WalnĂŒssen und Beeren vorkommen.

Allerdings verfĂŒgt nur ein Teil der Bevölkerung ĂŒber die erforderliche mikrobielle Zusammensetzung, um diese Umwandlung effizient durchzufĂŒhren. Personen mit einer erfolgreichen Produktion weisen in der Regel eine höhere mikrobielle Vielfalt sowie einen grĂ¶ĂŸeren Anteil an Firmicutes auf. Neben spezifischen BakterienstĂ€mmen beeinflussen auch das Alter und die ErnĂ€hrung die körpereigene Synthese.

ZellulÀre Mechanismen und muskulÀre Effekte

Auf zellulĂ€rer Ebene aktiviert Urolithin A die Mitophagie, also den Abbau beschĂ€digter Mitochondrien, und regt gleichzeitig die Neubildung dieser Zellkraftwerke an, was die Energieproduktion verbessert. Zudem besitzt der Stoff antioxidative Eigenschaften zur Neutralisierung reaktiver Sauerstoffspezies, fördert die allgemeine Autophagie und dĂ€mpft entzĂŒndliche Signalwege sowie entzĂŒndungsfördernde Zytokine im Kontext des sogenannten Inflammaging.

Klinische Studien zeigen eine direkte Korrelation zwischen einer NahrungsergÀnzung mit UA und ZuwÀchsen bei Muskelkraft und Ausdauer. Dies eröffnet Einsatzfelder gegen Sarkopenie, den altersbedingten Muskelschwund. Laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind bis zu 29 Prozent der Àlteren Erwachsenen und zwischen 11 und 50 Prozent der Menschen ab 80 Jahren von Sarkopenie betroffen.

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Eine im Journal of Cachexia, Sarcopenia and Muscle publizierte Transkriptom-Studie verglich die Effekte von Urolithin A und Urolithin B an postmortalen Muskelzellen von neun Spendern im Alter von 55 bis 96 Jahren an der University of LiĂšge. Nach einer 24-stĂŒndigen Behandlung mit einer Konzentration von 5 Mikromol verĂ€nderte UA 1.918 Gene, wĂ€hrend Urolithin B lediglich 339 Gene beeinflusste.

Neun Gene wurden gegenlÀufig reguliert: Acht davon, darunter IL-17B, wurden durch Urolithin B hoch- und durch Urolithin A herunterreguliert. Bei IL-17B zeigte sich unter UA eine Reduktion um 49 Prozent, wÀhrend Urolithin B einen Anstieg um 45 Prozent auslöste.

Kardiologische Befunde und Immunmodulation

Untersuchungen am King’s College London unter Leitung von Dr. Joseph Burgoyne ergaben, dass Urolithin A in Labormodellen der Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion (HFpEF) – einer Form, die etwa die HĂ€lfte aller HerzschwĂ€chefĂ€lle ausmacht – Herzfunktionsmaße um bis zu 80 Prozent verbesserte.

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Die Wirkung beruht auf der Aktivierung von PKGI? an Cystein 42; bei MĂ€usen ohne diesen funktionellen Rezeptor blieben die Effekte aus. Die im Fachjournal Science Advances veröffentlichte Arbeit nutzte Mausmodelle sowie aus menschlichen Stammzellen gezĂŒchtetes Herzgewebe. Prof. James Leiper von der British Heart Foundation unterstrich, dass nun klinische Studien am Menschen erforderlich seien.

Das Unternehmen Amazentis SA untersuchte sein Urolithin-A-PrĂ€parat Mitopure an 50 Erwachsenen mittleren Alters mit einer tĂ€glichen Gabe von 1.000 Milligramm gegenĂŒber Placebo. Nach vier Wochen zeigten sich VerĂ€nderungen bei Immunzellen, insbesondere bei CD8?-T-Zellen mit einem metabolisch jĂŒngeren Profil, sowie Verbesserungen bei natĂŒrlichen Killerzellen. Als nĂ€chster Schritt ist eine Erprobung bei Krebspatienten unter Immuntherapie vorgesehen.

NahrungsergÀnzung und Mikrobiom-Interaktionen

Humanstudien belegen eine gute VertrĂ€glichkeit von Urolithin A. Die US-LebensmittelĂŒberwachungsbehörde FDA erteilte einen GRAS-Status fĂŒr Tagesdosen von 250 bis 1.000 Milligramm. Um die mikrobielle VariabilitĂ€t der natĂŒrlichen Synthese zu umgehen, bietet beispielsweise das Unternehmen NINGBO INNO PHARMCHEM CO.,LTD. synthetisiertes Urolithin A mit einer Reinheit von 99 Prozent (CAS 1143-70-0) als pharmazeutischen Rohstoff an.

Parallel untersuchen Forschende der University of Pennsylvania und der Jeonbuk National University die Wechselwirkung fermentierter Pflanzennahrung mit dem Mikrobiom.

Wie Studienautor Hyun Koo von der Penn Dental Medicine darlegt, zielen diese Arbeiten auf eine systematische Erforschung fĂŒr die PrĂ€zisionsernĂ€hrung ab, nicht auf unmittelbare Therapien. Fragen zur optimalen Zusammensetzung relevanter Mikroorganismen sowie zur Langzeitsicherheit von Urolithin A bleiben Gegenstand weiterer Forschungen.

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