Vagusnerv-Aktivierung, Atemtechniken

Vagusnerv-Aktivierung: Atemtechniken und Kältereize gegen Stress

Veröffentlicht: 10.07.2026 um 08:13 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Atemtechniken, Kältereize und elektrische Stimulation sollen den Vagusnerv aktivieren. Die Forschung untersucht zudem das Stressprotein FKBP51 und das Mikrobiom.

Vagusnerv reaktivieren: Neue Ansätze gegen Stress und Erschöpfung
Eine stilisierte Darstellung des Vagusnervs als leuchtendes, komplexes Netzwerk, das sich vom Gehirn durch den Körper bis zum Darm erstreckt. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Im Zentrum steht der Vagusnerv – und seine Dysfunktion wird zunehmend mit Stress, Erschöpfung und funktionellen Störungen in Verbindung gebracht.

So lässt sich der Vagusnerv reaktivieren

Der Vagusnerv ist der Hauptbestandteil des Parasympathikus. Er steuert Ruhe- und Regenerationsprozesse im Körper. Bei chronischem Stress kann diese Regulation jedoch beeinträchtigt werden. Die Folge: Verdauungsprobleme oder anhaltende Erschöpfung.

Therapeuten setzen daher auf Methoden der sogenannten Bottom-up-Regulation. Drei Ansätze stehen dabei im Vordergrund:

Atemtechniken: Eine gezielte Verlängerung der Ausatmphase soll den Nerv stimulieren. Empfohlen wird etwa vier Sekunden Einatmung und sechs bis acht Sekunden Ausatmung.

Kältereize: Das Auslösen des Tauchreflexes durch Kälteeinwirkung im Gesicht kann eine unmittelbare Reaktion des Vagusnervs bewirken.

Elektrische Stimulation: Moderne Verfahren wie die transkutane Vagusnerv-Stimulation (tVNS) nutzen mobile Geräte wie Nurosym, Pulsetto oder Ease, um über elektrische Impulse auf den Nerv einzuwirken.

Reizdarm und Co.: Ein biopsychosozialer Ansatz

Störungen der Darm-Hirn-Interaktion (DGBI) – dazu zählt auch das Reizdarmsyndrom – betreffen allein in Österreich rund eine Million Menschen. Eine im Jahr 2026 in der Fachzeitschrift „Gastroenterology“ veröffentlichte Arbeit von Elsenbruch et al. unterstreicht die Notwendigkeit eines biopsychosozialen Behandlungsansatzes.

Das empfohlene Modell sieht eine dreistufige Versorgung vor:

  • Stufe 1: Grundlegende Psychoedukation
  • Stufe 2: Verhaltenstherapie
  • Stufe 3: Spezialisierte gastropsychologische Betreuung

In der medikamentösen Begleittherapie werden bevorzugt niedrig dosierte trizyklische Antidepressiva eingesetzt. Beobachtungen zeigen zudem, dass Frauen häufiger von diesen Störungen betroffen sind.

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Stressforschung: Das Protein FKBP51 im Fokus

Die Erforschung der physiologischen Grundlagen von Stress liefert immer neue Details. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts veröffentlichten in der Fachzeitschrift „Advanced Science“ Ergebnisse zu dem Stressprotein FKBP51. Dieses Protein beeinflusst die Regulation von Stresshormonen massiv.

In einem Mausmodell konnten die Forscher nachweisen, dass frühe Belastungen zu Veränderungen der Genaktivität im präfrontalen Kortex führen. Ein spezifischer Wirkstoff (SAFit2) verhinderte in diesen Versuchen soziale Defizite – ein klinischer Beweis für die Anwendung am Menschen steht jedoch noch aus.

Parallel dazu widmet sich die Forschung in Wien der genetischen Entschlüsselung von ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom). Der Epidemiologe Matthias Wielscher von der MedUni Wien erhielt dafür eine Förderung von 450.000 Euro. Ziel ist es, anhand umfangreicher Patientendaten Subtypen der Erkrankung zu identifizieren, um künftig zielgerichtete Therapien zu ermöglichen.

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Mikrobiom, Ernährung und KI als Helfer

Die Darm-Hirn-Achse wird maßgeblich durch das Mikrobiom beeinflusst. Es produziert Neurotransmitter wie Serotonin, Dopamin und GABA. Eine Dysbiose – ein Ungleichgewicht der Darmflora – kann Entzündungen fördern und die Stressachse (HPA-Achse) dauerhaft aktivieren.

Fachleute empfehlen zur Stabilisierung dieser Achse eine ballaststoffreiche Ernährung, ausreichend Schlaf und Stressreduktion.

Technologische Hilfsmittel gewinnen ebenfalls an Bedeutung. Eine Studie der Pronova BKK aus dem Jahr 2026 zeigt: Bereits 46 Prozent der Befragten nutzen künstliche Intelligenz für medizinischen Rat. Bei den 18- bis 29-Jährigen liegt die Akzeptanz sogar bei 90 Prozent.

Eine im Fachmagazin „JAMA“ veröffentlichte Londoner Studie belegt zudem: Telemedizinische kognitive Rehabilitation kann bei Long-Covid-Patienten signifikante Verbesserungen bei der Bewältigung von Erschöpfungssymptomen erzielen.

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