Viszerales Fett: Studie aus Freiburg findet stÀrkeren Bezug als beim BMI
Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 14:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die ZusammenhÀnge zwischen Hormonhaushalt, Fettgewebe und der individuellen Nahrungsaufnahme sind komplex und werfen in der medizinischen Forschung weiterhin grundlegende Fragen auf. Eine im Fachjournal Nutrients veröffentlichte Untersuchung aus dem Jahr 2026 widmete sich der Rolle des Hormons Ghrelin.
An der Erhebung nahmen 76 Erwachsene im Alter von 40 bis 60 Jahren teil. Dabei zeigte sich, dass das NĂŒchtern-Ghrelin nicht signifikant mit der Energie- oder MakronĂ€hrstoffaufnahme verbunden war, die in dreitĂ€gigen ErnĂ€hrungsprotokollen erfasst worden war.
Ghrelinspiegel und Fettverteilung im Blick der Forschung
Geschlechtsspezifische Unterschiede traten hingegen bei der Betrachtung der Fettverteilung auf. Bei MĂ€nnern war ein geringerer gynoider Fettanteil an HĂŒften und Oberschenkeln signifikant mit einem höheren NĂŒchtern-Ghrelin-Spiegel verknĂŒpft. Bei den teilnehmenden Frauen erwies sich das statistische Gesamtmodell diesbezĂŒglich als nicht signifikant.
Zudem untersuchte die Publikation die hormonelle Reaktion auf die Nahrungszufuhr: Nach einer standardisierten FlĂŒssigmahlzeit mit rund 459 Kilokalorien sank der Ghrelinwert zunĂ€chst ab und nĂ€herte sich nach drei bis vier Stunden wieder dem Ausgangswert an. Die beteiligten Autoren wiesen jedoch ausdrĂŒcklich auf eine kleine Stichprobe sowie weitere methodische EinschrĂ€nkungen hin, welche die Aussagekraft der Resultate begrenzen.
Mechanismen von Nahrungsaufnahme und Blutzucker in prÀklinischen Modellen
Neben Humanstudien liefern auch tierexperimentelle Arbeiten neue Einblicke in metabolische Anpassungen. Eine MĂ€usestudie aus dem Jahr 2026 analysierte die Auswirkungen einer ketogenen ErnĂ€hrung bei mĂ€nnlichen Tieren mit kĂŒnstlich ausgelöstem Diabetes.
Bei ihnen normalisierte die ErnÀhrungsumstellung den Blutzucker innerhalb einer Woche und stellte trainingsbedingte Muskelanpassungen sowie den Anstieg des Sauerstoffverbrauchs wieder her. Die Laufband-Ausdauer bei maximalen Tests stieg dadurch jedoch nicht an.
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Unter der ketogenen ErnĂ€hrung lagen die Glykogenspeicher bei der HĂ€lfte des Niveaus unter Standardfutter. Nach einer einwöchigen Zufuhr von Kohlenhydraten im Anschluss an eine langfristige ketogene Phase verbesserte sich die Laufbandleistung der Tiere. Bei MĂ€usen mit normalem Blutzucker war kein vergleichbarer Trainingsvorteil zu verzeichnen. Diese Ergebnisse sind nicht als Behandlungsplan fĂŒr den Menschen belegt.
Ebenfalls in einer MĂ€usestudie geprĂŒft wurde die zeitliche Abfolge der nahrungszufuhr: Wurde den Tieren Olivenöl 15 Minuten vor einer Glukosedosis verabreicht, stieg der anschlieĂende Blutzuckerspiegel langsamer an als bei umgekehrter Reihenfolge.
Dieser Effekt trat auch bei MĂ€usen mit Diabetes und starkem Insulinmangel auf. Die vorzeitige Gabe von Fett verlangsamte zudem die Magenentleerung. Da die Befunde aus Tierversuchen stammen, ist eine direkte Ăbertragbarkeit auf den Menschen nicht belegt.
Einen weiteren hormonellen Faktor untersuchte eine im September 2026 in Cell Reports erschienene MĂ€usestudie, die mögliche epigenetische Mechanismen des Jo-Jo-Effekts analysierte. Bei ĂŒbergewichtigen Tieren stieg das appetitanregende Hormon Asprosin an, dessen Spiegel auch nach einer Gewichtsabnahme erhöht blieb.
Versuche zeigten, dass der Wachstumsfaktor TGF-?1 die Asprosinproduktion anregte; nach einer Injektion blieben die Asprosinwerte bei MÀusen noch Wochen spÀter erhöht. Ein entsprechender Mechanismus beim Menschen ist dadurch nicht belegt.
Viszerales Fettgewebe und metabolische Risiken
Auf der Fachtagung EASD 2026 wurde in einem Konferenzabstract eine nachtrÀgliche Auswertung von 46 Erwachsenen mit einem Body-Mass-Index (BMI) von 22 bis 30 aus zwei placebokontrollierten Phase-2-Studien vorgestellt. Von den Teilnehmenden erhielten 26 den Wirkstoff CBL-514 und 20 ein Placebo.
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Vier Wochen nach der letzten Injektion sank das im Bereich des zweiten und dritten Lendenwirbels per Magnetresonanztomografie (MRT) gemessene viszerale Fettvolumen unter CBL-514 im Mittel um 65,5 Milliliter, wÀhrend es unter Placebo um 29,4 Milliliter zunahm, was einem Gruppenunterschied von 94,9 Millilitern entspricht.
Nach acht bis zwölf Wochen betrugen die VerĂ€nderungen minus 58,1 Milliliter beziehungsweise plus 79,4 Milliliter, was einer relativen VerĂ€nderung von minus 7,3 Prozent gegenĂŒber plus 18,4 Prozent und damit einer Differenz von 25,7 Prozentpunkten entsprach. Diese Daten belegen jedoch weder eine Abnahme sĂ€mtlicher viszeraler Depots noch einen dauerhaften Gewichtsverlust oder gesundheitlichen Nutzen.
Die klinische Relevanz viszeraler Fettdepots unterstreicht zudem eine Studie der UniversitĂ€t Freiburg mit mehreren hundert Probanden. Darin korrelierte das per MRT erfasste viszerale Fett stĂ€rker mit metabolischen Risikofaktoren wie erhöhtem Blutzucker und EntzĂŒndungswerten als der reine BMI.
Als ergĂ€nzender Ansatz zur klinischen Beurteilung wird in diesem Kontext das Edmonton Obesity Staging System herangezogen, das fĂŒnf Stufen adipositasbedingter Gesundheitsprobleme unterscheidet.

