Vitamin K2: Studie mit 180 Herzpatienten zeigt langsameres Fortschreiten von Gefäßkalk
Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 04:14 Uhr | Redaktion boerse-global.deIm Juni 2026 veröffentlichte Daten der VitaK-CAC-Studie in der Fachzeitschrift JAMA Cardiology liefern neue Erkenntnisse zur gezielten Wirkung von Menachinon-7 auf das Herz-Kreislauf-System.
In der zweijährigen, placebokontrollierten Untersuchung verlangsamte eine Supplementierung mit dem Vitamin-K2-Homolog bei 180 Patienten mit leichter bis mittelschwerer symptomatischer koronarer Herzkrankheit (KHK) das Fortschreiten des Koronarkalk-Scores signifikant.
Dieser Effekt beruhte vor allem auf einer Hemmung der Verkalkung zuvor nicht kalzifizierter Plaques. Nebenwirkungen traten im Studienverlauf nicht auf. Die Untersuchung rückt die physiologischen Mechanismen fettlöslicher K-Vitamine erneut in den Fokus der klinischen Diskussion.
Biochemische Mechanismen im Gefäß- und Knochenstoffwechsel
Die biologische Funktion von Vitamin K beruht primär auf seiner Rolle als Cofaktor bei der Gamma-Carboxylierung spezifischer Proteine. Vitamin K1 (CAS 84-80-0) aktiviert auf diesem Weg essenzielle Gerinnungsfaktoren in der Leber, darunter Prothrombin (Faktor II), die Faktoren VII, IX und X sowie die Proteine C und S. Im Knochenstoffwechsel steuert Vitamin K1 zudem die Carboxylierung von Osteocalcin, das von Osteoblasten gebildet wird und die Kalziumbindung an die Knochenmatrix erleichtert.
Das vor allem in fermentierten Lebensmitteln wie Natto sowie in tierischen Produkten vorkommende Vitamin K2 (MK-7) übernimmt darüber hinaus gefäßschützende Aufgaben. Es aktiviert neben Osteocalcin auch das Matrix-Gla-Protein (MGP).
Dieses Protein verhindert aktiv Kalziumablagerungen in den Wänden arterieller Gefäße und schützt Weichteilgewebe vor unkontrollierter Kalzifizierung. In der Praxis existiert als allgemeine Richtlinie eine Zufuhr von etwa 45 Mikrogramm Vitamin K2 pro 1.000 Internationale Einheiten Vitamin D3.
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Empfohlene Zufuhr und klinische Evidenz
Der tägliche Bedarf an Vitamin K lässt sich bei gesunden Personen in der Regel vollständig über eine ausgewogene Ernährung decken. Als reichhaltige Quellen für Vitamin K1 dienen dunkelgrüne Gemüsesorten wie Grünkohl, Spinat und Brokkoli sowie Soja- und Rapsöl.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) gibt als Schätzwerte für eine angemessene Zufuhr bei Säuglingen bis zu vier Monaten 4 Mikrogramm pro Tag an, gefolgt von 10 Mikrogramm im Alter von vier bis zwölf Monaten. Für Kinder von ein bis vier Jahren liegt der Referenzwert bei 15 Mikrogramm, zwischen vier und sieben Jahren bei 20 Mikrogramm täglich.
Bei Erwachsenen empfiehlt die DGE für Frauen bis 51 Jahre 60 Mikrogramm pro Tag, danach 65 Mikrogramm. Für Männer bis 51 Jahre werden 70 Mikrogramm, im höheren Alter 80 Mikrogramm täglich angesetzt. Die französische Behörde Anses empfiehlt für Erwachsene 79 Mikrogramm Vitamin K1 pro Tag.
Ernährungsbedingte Mangelzustände sind bei gesunden Erwachsenen selten, können jedoch infolge von Fettabsorptionsstörungen auftreten. Verbraucherschützer und Fachgesellschaften stufen eine generelle Nahrungsergänzung für gesunde Erwachsene als verzichtbar ein.
Trotz der positiven Befunde zur Hemmung von Plaque-Verkalkungen in speziellen Risikogruppen reicht die breite Datenlage bisher nicht aus, um Vitamin K2 isoliert als allgemeine Präventionsmaßnahme gegen Herzerkrankungen oder zur Verhinderung von Osteoporose und Knochenbrüchen zu empfehlen.
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Besondere Indikationen und Wechselwirkungen
In der klinischen Praxis besitzt Vitamin K einen festen Stellenwert bei Neugeborenen. Um lebensbedrohlichen Vitamin-K-Mangel-Blutungen vorzubeugen, erhalten Säuglinge direkt nach der Geburt fast ausnahmslos eine prophylaktische Verabreichung.
Häufig kommt dabei die synthetische Form Phytonadion als Einzeldosis per Injektion in den Oberschenkelmuskel zum Einsatz. Bei Erwachsenen erfolgt eine medikamentöse Gabe vor allem bei schweren Lebererkrankungen oder arzneimittelinduzierten Mängeln.
Besondere Vorsicht gilt bei gleichzeitiger Einnahme von oralen Antikoagulanzien. Patienten, die gerinnungshemmende Medikamente wie Warfarin oder andere Cumarin-Derivate einnehmen, müssen ihre Vitamin-K-Zufuhr konstant halten, da Schwankungen die gerinnungshemmende Wirkung beeinflussen.
Eine im Fachjournal American Journal of Medicine publizierte Untersuchung belegte, dass unter Cumarin-Therapie die Gerinnungsaktivität bei reduzierter Vitamin-K-Zufuhr bis zum siebten Tag stieg, während eine Supplementierung den Wert bis zum vierten Tag absenkte.
Fachleute raten daher bei einer solchen Therapie zu regelmäßigen Kontrollen des INR-Werts und warnen vor hochdosierten K2-Präparaten ohne ärztliche Rücksprache.
Zudem können Wechselwirkungen mit anderen fettlöslichen Vitaminen auftreten: Eine Forschungsarbeit der Tufts University im Fachblatt American Journal of Clinical Nutrition zeigte, dass eine tägliche Gabe von 1.000 Internationalen Einheiten Vitamin E über zwölf Wochen den Marker PIVKA-II sowohl bei Personen mit rheumatoider Arthritis als auch bei gesunden Männern signifikant erhöhte. Dies deutet darauf hin, dass hochdosiertes Vitamin E die Aktivität von Vitamin K im Organismus hemmen kann.
