Vollkorn für das Herz: 60 bis 100 Gramm täglich senken LDL und Blutdruck
Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 10:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Unterschiedliche Ernährungsmuster, die Zusammensetzung von Mahlzeiten sowie deren zeitliche Verteilung stehen im Mittelpunkt der kardiometabolischen Prävention.
Eine im Jahr 2025 veröffentlichte randomisierte Crossover-Studie mit 75 Personen lieferte dabei neue Daten zu Stoffwechselreaktionen und berichtete über messbare Unterschiede im Hungergefühl nach dem Konsum von mit Sucralose gesüßten Getränken im Vergleich zu zuckerhaltigen Pendants.
Derartige Befunde ergänzen eine breitere wissenschaftliche Debatte darüber, wie sich Süßungsmittel, Vollkornprodukte und Essgewohnheiten auf das Herz-Kreislauf-System auswirken.
Süßstoffe im Fokus: Sättigung und Stoffwechseldaten
Die Differenzierung zwischen Zucker und Süßstoffen wird in der Forschung kontinuierlich neu bewertet. Am 22. September 2026 thematisierte die HNA eine Forschungsübersicht, die dazu aufrief, pauschale Vorbehalte gegenüber Süßstoffen zu hinterfragen.
Demnach führte der Einsatz kalorienarmer oder kalorienfreier Süßstoffe anstelle von Zucker weder zu einer Verschlechterung der Gewichtskontrolle noch zu ungünstigeren Werten bei gemessenen kardiovaskulären und metabolischen Risikofaktoren.
Die Übersicht stützt sich unter anderem auf europäische Forschungsprojekte wie SWEET, SWITCH und Sweet Tooth. Im SWITCH-Projekt wurden bei 493 Teilnehmenden im Rahmen eines Gewichtsreduktionsprogramms süßstoffhaltige Getränke mit Wasser verglichen.
Sweet Tooth wiederum analysierte bei 180 Personen den Einfluss einer veränderten Gesamtsüße auf Geschmacksvorlieben und Gewicht. In einer SWEET-Untersuchung zur Gewichtserhaltung wies die Gruppe mit Süßstoffkonsum gewisse Vorteile bei der Beibehaltung des reduzierten Gewichts auf. Zuckeralkohole wie Erythritol und Xylitol wurden in diesen Programmen nicht separat analysiert.
International bleibt die Einordnung differenziert: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sprach 2023 eine bedingte Empfehlung aus, zuckerfreie Süßstoffe nicht zur Gewichtskontrolle oder zur Senkung des Risikos nicht übertragbarer Krankheiten einzusetzen, nahm dabei jedoch Personen mit bestehendem Diabetes aus.
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Mahlzeitenrhythmus und kardiovaskuläre Risiken
Neben den Inhaltsstoffen rückt die zeitliche Struktur der Nahrungsaufnahme in den Fokus. Daten der französischen NutriNet-Santé-Kohorte des Forschungsinstituts Inserm, bei der 104.806 Erwachsene über eine mediane Dauer von 8,1 Jahren und mehr als 814.000 Personenjahre beobachtet wurden, belegen signifikante geschlechtsspezifische Effekte.
Im Erfassungszeitraum traten 2.368 neue Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf, darunter 1.270 Fälle koronarer Herzkrankheiten und 1.098 Schlaganfälle oder andere zerebrovaskuläre Erkrankungen.
Wie Studienautor Bernard Srour vom Institut INRAE darlegte, erhöhte sich bei Männern mit jeder zusätzlichen Stunde Abweichung der Essenszeiten zwischen Werktagen und Wochenende das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 14 Prozent, während das Risiko für koronare Herzkrankheiten wie Angina pectoris oder Herzinfarkte um 21 Prozent stieg.
Bei Verschiebungen um mehr als eine Stunde nach vorne kletterte das Risiko für koronare Herzerkrankungen sogar um 68 Prozent, bei Verzögerungen um mehr als eine Stunde um 36 Prozent. Bei Frauen zeigte sich hingegen kein statistisch belastbarer Zusammenhang.
Schützende Nährstoffe und Wechselwirkungen
Ergänzend unterstreichen aktuelle Metaanalysen die präventive Wirkung spezifischer Lebensmittel. Eine am 4. August 2026 im British Journal of Nutrition publizierte Übersichtsarbeit von Plant-Based Health Professionals UK und dem Imperial College London mit über 143.000 Teilnehmenden ergab, dass ein regelmäßiger Nussverzehr das Hypertonie-Risiko um rund 16 Prozent senkte.
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Bei einer täglichen Zufuhr von 28 Gramm lag die Risikominderung bei 20 Prozent, bei 30 Gramm täglich gegenüber einem Verzicht bei 26 Prozent. Michael Metoudi und das Forschungsteam gehen von einem Kausalzusammenhang aus.
Parallel zeigte eine im European Heart Journal erschienene Metaanalyse eines Teams um Helda Tutunchi von der Tabriz University of Medical Sciences an 6.529 Personen, dass 60 bis 100 Gramm Vollkorn im Trockengewicht täglich unter anderem das LDL-Cholesterin um 0,13 mmol/l und den systolischen Blutdruck um 1,5 mmHg senkten.
Fachgesellschaften raten zudem weiterhin zu ein bis zwei Fischmahlzeiten pro Woche zur Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren. Gleichzeitig mahnen Fachkreise zur Vorsicht bei Wechselwirkungen: Patienten unter Medikation mit Vitamin-K-Antagonisten wie Warfarin sollten eine stark veränderte Zufuhr extrem vitamin-K-reicher Lebensmittel wie Petersilie stets mit ihrer behandelnden Gerinnungsambulanz abstimmen.
