Volume Eating: Gurken und Blumenkohl statt 690-Kalorien-Keks
02.06.2026 - 00:18:09 | boerse-global.deEin Keks mit 690 Kalorien oder ein Teller Gemüse mit der gleichen Energiemenge – der Unterschied könnte kaum größer sein. Die Lebensmittelindustrie und die Ernährungsforschung liefern sich ein spannendes Rennen.
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Während der Markt für hochkalorische Snacks weiter wächst, rücken Forscher das Konzept des „Volume Eating“ in den Fokus. Die Idee: Lebensmittel mit niedriger Energiedichte wie Gurken (15 kcal/100g) oder Blumenkohl (25 kcal/100g) füllen den Magen, ohne die Kalorienbilanz zu sprengen.
Der Keks, der eine Mahlzeit ersetzt
Ein einzelner „Lemon Crinkle Keks“ einer großen US-Handelskette bringt es auf 690 Kalorien und 60 Gramm Zucker – bei gerade mal 150 Gramm Gewicht. Damit übertrifft er sogar die vergleichbaren Produkte spezialisierter Keks-Franchises, die im Schnitt bei 610 kcal pro Stück liegen.
Die Relationen sind verblüffend: Eine handelsübliche Dose Erdnüsse mit 1.200 Kalorien entspricht rechnerisch der Energiemenge von 1,5 Kilogramm Kartoffeln. Oder einer Kombination aus 700 Gramm Hähnchenbrust mit einem Kilogramm Brokkoli.
Neue Forschung: Kalorienzählen war gestern
Die Wissenschaft zweifelt zunehmend an klassischen Messmethoden wie der Atwater-Methode. Ein neues Modell der Arizona State University und AdventHealth verfolgt die Nährstoffaufnahme unter Berücksichtigung mikrobieller Aktivitäten im Darm.
Die Erkenntnis: Die tatsächliche Energiegewinnung variiert von Mensch zu Mensch. Kurzkettige Fettsäuren, die beim Abbau von Ballaststoffen entstehen, liefern im Durchschnitt 140 Kalorien pro Tag – das sind etwa 7,4 Prozent des täglichen Energiebedarfs.
Hormonelle Steuerung: Der natürliche Appetitzügler
Das Hormon GLP-1 spielt eine Schlüsselrolle: Es hemmt den Appetit und verlängert das Sättigungsgefühl. Pharmazeutisch nutzt man das mit Präparaten wie Wegovy (Semaglutid), das in Deutschland seit März 2024 als Lifestyle-Arzneimittel für bestimmte BMI-Groups zugelassen ist – allerdings ohne Kassenübernahme.
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Frankreich geht einen Schritt weiter: Ab Mitte Juni 2026 ist dort eine Kostenübernahme für Patienten mit hohem BMI und Begleiterkrankungen vorgesehen. Die Hoffnung: langfristige Folgekosten der Adipositas senken.
Die natürliche Alternative aus Süßkartoffelblättern
Forscher suchen parallel nach natürlichen Wegen, die körpereigene GLP-1-Produktion anzuregen. Studien aus den Jahren 2021 und 2024 belegen: Süßkartoffelblätter enthalten Chlorogensäure, die die Hormonproduktion stimulieren kann. Zudem stecken sie voller Anthocyane, Lutein und Mineralstoffe wie Kalium und Magnesium.
Der Streit um hochverarbeitete Lebensmittel
Die Diskussion um Ultra-Processed Foods (UPF) wird in Fachkreisen differenziert geführt. Kritiker des gängigen Einstufungssystems nach Monteiro mahnen: Der Verarbeitungsgrad allein entscheidet nicht über den gesundheitlichen Wert.
Organisationen wie Healthy Eating Research unterscheiden deshalb zwischen nährstoffreichen verarbeiteten Produkten wie Vollkornbrot oder Joghurt und solchen mit ungünstiger Nährstoffzusammensetzung.
Öle, Käse und Nüsse: Wo Experten von Social Media abweichen
Während Influencer vereinzelt vor Rapsöl warnen, bewerten die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) das Öl als qualitativ hochwertig. Das günstige Omega-6-zu-Omega-3-Verhältnis und die gute Hitzestabilität durch Raffination sprechen dafür. Die enthaltene Erucasäure gilt als gesundheitlich unbedenklich.
Im Molkereibereich gewinnt der französische Käse Cancoillotte an Bedeutung – geringer Fettgehalt, hoher Proteingehalt, ideal für die Fitness-Ernährung. Und Pekannüsse liefern einfach ungesättigte Fettsäuren und Antioxidantien. Experten empfehlen eine Tagesdosis von 20 bis 30 Gramm für positive Effekte auf den Cholesterinspiegel.
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