Vorhofflimmern: Blutdruck unter 110 mmHg erhöht Blutungsrisiko
Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 10:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Behandlung von Vorhofflimmern wird präziser. Aktuelle Empfehlungen und Studienergebnisse aus dem Juli 2026 zeigen einen klaren Trend: weg von pauschalen Ansätzen, hin zu individualisierten Therapien – sowohl bei Medikamenten als auch bei Eingriffen.
Geschlecht spielt keine Rolle mehr bei BlutverdĂĽnnung
Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) hat ihre Empfehlungen zur Blutverdünnung angepasst. Bisher galt das Geschlecht oft als eigenständiger Risikofaktor. Damit ist jetzt Schluss.
Die Initiative „Klug entscheiden“ stellt klar: Bei der Indikationsstellung für Antikoagulation zählen andere klinische Parameter. Die Entscheidung soll evidenzbasierter erfolgen – unabhängig von geschlechtsspezifischen Generalisierungen.
Blutdruck unter 110 mmHg wird zum Risiko
Blutverdünner können schwere Blutungen auslösen. Eine Post-hoc-Auswertung der RE-LY-Studie liefert jetzt konkrete Zahlen: Sinkt der systolische Blutdruck unter 110 mmHg, steigt das Risiko für schwerwiegende Blutungsereignisse signifikant an.
Interessant: Die Schutzwirkung des Wirkstoffs Dabigatran gegen Schlaganfälle bleibt laut der Analyse stabil – unabhängig vom gemessenen Blutdruck. Für die Praxis bedeutet das: Patienten mit niedrigem Blutdruck brauchen engmaschigere Kontrollen oder eine angepasste Medikation.
Neue Technik: Strom statt Hitze bei der Katheterablation
Wer seinen Blutdruck unter 110 mmHg hat und Blutverdünner nimmt, sollte die aktuellen Studienergebnisse kennen. Ein neuer Ratgeber zeigt, worauf Sie jetzt achten müssen – von der Medikamentenanpassung bis zur modernen Ablation. Jetzt kostenlosen Ratgeber anfordern
Immer mehr Kliniken setzen auf die Elektroporation, auch Pulsed Field Ablation (PFA) genannt. Das Klinikum Fulda ist einer der Vorreiter in Deutschland.
Anders als herkömmliche thermische Verfahren nutzt PFA elektrische Impulse. Die Vorteile: kürzere Behandlungszeiten und mehr Schutz für umliegendes Gewebe wie Speiseröhre oder Nerven. Der Haken: Wegen der speziellen Kathetertechnologie ist das Verfahren bisher nur an wenigen Standorten verfügbar.
Nachsorge nach Schlaganfällen: Luft nach oben
20 bis 30 Prozent aller Schlaganfälle gehen auf unentdecktes Vorhofflimmern zurück. Deshalb ist Rhythmusmonitoring so wichtig.
Eine Subanalyse der Find-AF 2-Studie zeigt: Die Umsetzung der Leitlinien der European Stroke Organisation (ESO) hakt im ambulanten Bereich. Diese fordern ein Monitoring von mehr als 48 Stunden. Die Realität sieht oft anders aus. Dabei wäre eine konsequente Langzeitüberwachung der Schlüssel, um paroxysmales Vorhofflimmern früh zu erkennen und Folgeschlaganfälle zu verhindern.
Neue Erkenntnisse zur Herz-Kreislauf-Prävention
Nach einem Schlaganfall ist ein verlängertes Rhythmusmonitoring entscheidend – doch die Umsetzung im ambulanten Bereich hakt. Ein neuer Leitfaden erklärt, wie Sie paroxysmales Vorhofflimmern zuverlässig erkennen und Folgeschlaganfälle vermeiden. Leitfaden Rhythmusmonitoring jetzt sichern
Auch abseits der Rhythmusstörungen gibt es Neuigkeiten. Das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) lässt die Produktinformationen für Acetylsalicylsäure (ASS) ergänzen. Grund: Das Kounis-Syndrom – eine allergisch bedingte Angina Pectoris – kann als seltene Nebenwirkung in allen Dosierungen auftreten.
Und: Die DECLARE-TIMI 58-Studie, publiziert in Nature Medicine, zeigt neue Möglichkeiten für SGLT2-Hemmer. Der Wirkstoff Dapagliflozin senkt das Risiko für Krankenhausaufenthalte wegen Herzschwäche massiv – allerdings nur bei Patienten mit bestimmten genetischen Veranlagungen. Ein weiterer Schritt Richtung personalisierte Pharmakotherapie in der Kardiologie.
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