Walking, Therapy

Walking Therapy: Therapeutische GesprÀche beim Gehen wirksamer

Veröffentlicht am: 17.08.2026 um 08:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Wellness-Sektor wÀchst auf 6,8 Billionen Dollar, wÀhrend Experten die Kommerzialisierung von Achtsamkeit und die Wirksamkeit neuer Entspannungstechniken kritisch hinterfragen.
Eine Person in einer ruhigen, minimalistischen Umgebung praktiziert tiefes Atmen zur mentalen Entspannung. Illustration mit AI erstellt.

Die Suche nach alternativen Wegen zur StressbewĂ€ltigung und Bewusstseinserweiterung hat in den vergangenen Jahren zu einer Diversifizierung des Wellness-Marktes gefĂŒhrt. Ein zentraler Aspekt dieser Entwicklung sind Methoden, die ohne den Einsatz pharmakologischer Substanzen auskommen. Aktuelle Medienberichte und Marktanalysen beleuchten dabei sowohl technologische Innovationen als auch traditionelle AnsĂ€tze, die zunehmend kommerzialisiert werden.

Psychedelisches Atmen und technologische Entspannungsverfahren

Ein signifikanter Trend im Bereich der mentalen Gesundheit ist das sogenannte psychedelische Atmen. Anbieter versprechen hierbei, allein durch spezifische Atemtechniken ZustÀnde verÀnderter Wahrnehmung zu erreichen, die denen von Drogen Àhneln könnten.

In einer bereits Anfang 2024 ausgestrahlten Reportage des Bayerischen Rundfunks mit dem Titel „Rausch durch Atmen?“ wurde dieses PhĂ€nomen thematisiert. Der Reporter Kevin Ebert unterzog sich dabei einem Selbstversuch, um die Wirksamkeit dieser Praktiken zur BewusstseinsverĂ€nderung zu untersuchen.

Parallel dazu treibt der technologische Fortschritt die Wellnesswirtschaft voran. Daten des Global Wellness Institute bezifferten den Wert dieses Marktes fĂŒr das Jahr 2024 auf 6,8 Billionen US-Dollar. Bis zum Jahr 2029 wird ein Anstieg auf 9,8 Billionen US-Dollar prognostiziert. Zu den klinisch untersuchten Innovationen gehört die Vagusnerv-Stimulation, etwa durch Systeme wie Nurosym.

Andere AnsĂ€tze wie Sensate nutzen Schallwellen zur Entspannung. Im Bereich des Neurofeedbacks variiert die wissenschaftliche Evidenz hingegen deutlich: WĂ€hrend bei posttraumatischen Belastungsstörungen moderate Effekte beobachtet wurden, ließen sich bei ADHS keine durchgehend klinisch relevanten Vorteile belegen.

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Forschung zu Bewegungstherapien und niederschwelligen Angeboten

Neben technologischen Lösungen rĂŒcken bewegungsorientierte AnsĂ€tze in den Fokus der Forschung. Eine im Jahr 2025 in der Fachzeitschrift „Clinical Psychology and Psychotherapy“ veröffentlichte Studie mit 37 depressiven MĂ€nnern deutet darauf hin, dass die sogenannte „Walking Therapy“ – therapeutische GesprĂ€che wĂ€hrend des Gehens – wirksamer sein kann als klassische Sitzungen im Sitzen.

ErgĂ€nzend dazu zeigte eine Fallstudie der Glasgow Caledonian University aus dem Jahr 2024 positive Effekte bei einer kleinen Gruppe von fĂŒnf Patienten. Therapeuten wie Julie Passolunghi in Nizza setzen dieses Konzept bereits in der Praxis um.

Auch öffentliche Institutionen integrieren Entspannungsangebote in ihren Betrieb. Die Kunsthalle Mannheim etwa bietet Formate wie „Meditieren im Museum“ an, bei denen die Kunstvermittlerin Nina Pfister Werkbetrachtungen mit gefĂŒhrten Meditationen verknĂŒpft.

Im akademischen Umfeld schuf die Bergische UniversitĂ€t Wuppertal am Campus Grifflenberg einen „Ort der Stille“. Die Rektorin Prof. Dr. Birgitta Wolff bezeichnete diesen interreligiös neutralen Raum als wichtigen Beitrag zur AufenthaltsqualitĂ€t fĂŒr Studierende und Mitarbeiter.

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Gesellschaftliche Kritik am Achtsamkeits-Boom

Trotz des Wachstums gibt es kritische Stimmen zur fortschreitenden Ökonomisierung der mentalen Gesundheit. Die Autorin Kathrin Fischer setzt sich in ihrem Werk „Achtsam geht die Welt zugrunde“ (256 Seiten, 23,50 Euro) kritisch mit der Branche auseinander. Sie argumentiert, dass der Achtsamkeits-Boom zu einer Entpolitisierung fĂŒhre, indem strukturelle Probleme individualisiert wĂŒrden. Fischer verweist dabei auf das bereits 2013 von Ronald Purser geprĂ€gte Konzept der „McMindfulness“.

Nach EinschÀtzung von Experten wie dem Psychologen Stefan Schmidt vom Uniklinikum Freiburg sind Angststörungen mittlerweile die hÀufigste psychische Erkrankung. WÀhrend die Wellness-Industrie zu einem zweistelligen Milliardenmarkt angewachsen ist, raten Fachleute zur Besonnenheit im Alltag.

Einfache Maßnahmen wie das Reduzieren des Tempos oder der Verzicht auf digitale EndgerĂ€te in Erholungsphasen seien wesentliche Faktoren, um das automatisierte Stresssystem des Körpers zu regulieren.

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