Wechseljahre, Studie

Wechseljahre: Studie findet hormonelle VerÀnderungen bis zu 15 Jahre zuvor

Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 02:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Ein Bundesgremium verlangt eine nationale Strategie, besseren Diskriminierungsschutz und Verbesserungen bei Versorgung und Ausbildung.

Wechseljahre im Beruf: Gremium fordert Strategie und besseren Schutz
Ein heller, minimalistischer Arbeitsplatz in einem modernen BĂŒrogebĂ€ude mit sanftem Lichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

In Deutschland durchlaufen Millionen Frauen hormonelle Umstellungen wĂ€hrend ihrer ErwerbstĂ€tigkeit, was vermehrt zu arbeitsmarktpolitischen und gesundheitlichen Diskussionen fĂŒhrt.

Das Gremium „Wechseljahre und Diskriminierung“ der Antidiskriminierungsstelle des Bundes unter der Leitung von Miriam Stein und Franzi von Kempis formulierte in dem Policy Paper „Gleichberechtigt in den Wechseljahren“ erstmals konkrete Handlungsempfehlungen und forderte eine Nationale Wechseljahres-Strategie.

Nach Angaben der Antidiskriminierungsbeauftragten Ferda Ataman verursacht die Benachteiligung betroffener Frauen in diesem Lebensabschnitt jĂ€hrlich einen geschĂ€tzten volkswirtschaftlichen Schaden von rund 9,4 Mrd. Euro. Sie betonte in Berlin, dass die Wechseljahre nicht zu Diskriminierungsjahren werden dĂŒrften.

Belastungen im Erwerbsleben und arbeitsrechtliche Forderungen

Nach Erhebungen der Antidiskriminierungsstelle des Bundes befinden sich derzeit etwa 11 Mio. Frauen in Deutschland in den Wechseljahren, die potenziell die Altersspanne zwischen 40 und 60 Jahren betreffen. Gremiumsleiterin Miriam Stein erlĂ€uterte, dass rund 85% der Betroffenen Symptome spĂŒren.

Statistisch setze der Wandel im Alter von 51 bis 52 Jahren ein, worauf im Durchschnitt noch mindestens 15 Jahre im Berufsleben folgen. In der Altersgruppe zwischen 40 und 60 Jahren sind laut Stein rund 80% der Frauen erwerbstÀtig. Zudem hob Ferda Ataman hervor, dass Frauen ab 50 Jahren die am schnellsten wachsende BeschÀftigtengruppe auf dem deutschen Arbeitsmarkt bilden.

Die konkreten Auswirkungen auf den Berufsalltag verdeutlichte eine Auswertung der Krankenkasse DAK: Demnach berichtet jede dritte betroffene Frau von teils starken beruflichen Belastungen, zu denen eine eingeschrÀnkte ArbeitsfÀhigkeit, zusÀtzliche Fehltage und ArbeitsausfÀlle zÀhlen.

Ataman forderte daher eine gesetzliche Klarstellung im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz, um den Schutz vor Benachteiligung vergleichbar mit den Regelungen zu Schwangerschaft und Mutterschutz zu verankern.

Anzeige

Wer sich mit der Vereinbarkeit von Gesundheit und Beruf befasst, findet in diesem Ratgeber wertvolle AnsĂ€tze fĂŒr einen stressfreien Alltag. Erhalten Sie 5 Sofortmaßnahmen fĂŒr mehr Ausgeglichenheit im Arbeitsleben als kostenlosen Download. Mehr Zeit fĂŒr Freizeit und Familie entdecken

Notwendig seien wechseljahresfreundliche Rahmenbedingungen an ArbeitsplĂ€tzen, darunter flexible Arbeitszeiten, angepasste Raumtemperaturen, verlĂ€sslicher Zugang zu SanitĂ€rrĂ€umen sowie betriebsĂ€rztliche Beratung. Dies gelte gleichermaßen fĂŒr Berufszweige ohne Option auf Homeoffice wie die Landwirtschaft, Pflege und Gastronomie.

Stein regte zudem an, nach historischem Vorbild RuherĂ€ume bereitzustellen, was insbesondere fĂŒr BeschĂ€ftigte in Schulen und Kitas eine erhebliche Entlastung darstellen könne.

Defizite in der medizinischen Versorgung und Ausbildungsreform

Neben dem Arbeitsumfeld kritisiert das Gremium LĂŒcken im Gesundheitssystem. Wechseljahre und Menopause seien weder im Medizinstudium noch in der gynĂ€kologischen Facharztausbildung adĂ€quat verankert, zudem fehle eine spezifische Abrechnungsziffer fĂŒr fundierte Wechseljahresberatungen.

Mandy Mangler, ChefÀrztin am Berliner Vivantes Klinikum, wies darauf hin, dass an der Charité lediglich eine Vorlesung zum Thema Menopause stattfinde. Sie konstatierte ein Versorgungsproblem und merkte an, man könne die fachÀrztliche Qualifikation erlangen, ohne sich vertieft mit der Materie befasst zu haben.

Ataman bemerkte hierzu pointiert, wÀren MÀnner von den Wechseljahren betroffen, gÀbe es im Land mehr FachÀrzte als Filialen bekannter Fast-Food-Ketten.

Anzeige

Um die Gesundheit am Arbeitsplatz langfristig zu fördern, ist das Wissen ĂŒber wirksame Entlastungsmöglichkeiten entscheidend. Dieser kostenlose Leitfaden zeigt auf, wie beruflicher Erfolg und das persönliche Wohlbefinden im Einklang bleiben können. Kostenlosen Work-Life-Balance-Ratgeber jetzt sichern

Aus der Politik unterstrich StaatssekretĂ€rin Christiane Schenderlein, dass die Gesundheit von Frauen kein Randthema bleiben dĂŒrfe. Das Bundesgesundheitsministerium plant, die Thematik im Zuge einer Reform der Ă€rztlichen Ausbildung zu verankern und ein eigenes Fach fĂŒr geschlechtersensible Medizin einzufĂŒhren.

Allerdings liegt die Novelle der Approbationsordnung seit Jahren auf Eis, sodass FakultĂ€ten entsprechende Inhalte bislang uneinheitlich integrieren. Im Rahmen eines 2026 gestarteten Dialogprozesses, fĂŒr den das Gesundheits- und das Forschungsministerium erstmals Mittel bereitstellten, sollen Selbstverwaltungsgremien zudem prĂŒfen, wie Beratungsleistungen kĂŒnftig ĂŒber die Krankenkassen vergĂŒtet werden können.

ErgÀnzend forderte das Gremium eine bundesweite Informationskampagne sowie verstÀrkte Forschung unter Einbeziehung von Frauen mit Behinderungen oder Migrationsgeschichte.

Wissenschaftliche Befunde zum biologischen Verlauf

Parallel zu den politischen Debatten lieferte eine in der Fachzeitschrift Nature Medicine publizierte Auswertung von ĂŒber 300 Mio. Laborwerten von mehr als 1 Mio. Frauen aus den USA (1999–2022) und Israel (2004–2024) neue Einblicke in den biologischen Verlauf.

Die Daten belegen, dass sich hormonelle Verschiebungen teils 12 bis 15 Jahre vor dem Ausbleiben der Regel blutung anbahnen. Bei 52 von 90 Laborwerten zeigten sich signifikante VerÀnderungen, die unter anderem Leber, Nieren, Knochen und Blutfette betrafen.

WĂ€hrend die HĂ€ufigkeit von Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Knochendichteverlusten in diesem Zeitfenster stieg, ordnete die GynĂ€kologin Petra Stute vom Inselspital Bern ein, dass der Begriff einer physiologischen Klippe ĂŒbertrieben sei; es handele sich nicht um einen abrupten Krankheitsbeginn.

Auch das Science Media Center stellte klar, dass Fachleute aus den aktuellen Studienergebnissen keine direkten Änderungen fĂŒr bestehende FrĂŒherkennungs- oder BehandlungsansĂ€tze ableiten.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70318266 |