Wechseljahre und Blutdruck: Fast jede zweite Frau erlebt einen Anstieg
Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 16:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Deutsche Hochdruckliga e.V. und der Berufsverband der FrauenĂ€rztinnen und FrauenĂ€rzte e.V. (BVF) richten am 20. Oktober 2026 um 18:30 Uhr einen kostenlosen Online-Vortrag mit dem Titel âBluthochdruck und die Menopause" aus.
Die Veranstaltung findet ohne vorherige Anmeldung im Rahmen der Informationsreihe âBluthochdruck-UniversitĂ€t" statt, Details stellt die Organisation unter www.bluthochdruck-uni.de bereit.
Kontaktstelle fĂŒr die Veranstaltung ist die GeschĂ€ftsstelle des BVF in der ArnulfstraĂe 58 in MĂŒnchen. Ziel der Initiative ist es, auf eine hĂ€ufig unterschĂ€tzte kardiovaskulĂ€re Entwicklung im mittleren Lebensalter aufmerksam zu machen.
Hormonelle Umstellung und Blutdruckanstieg
Nach Angaben von Prof. Dr. Markus van der Giet steigt bei fast jeder zweiten Frau wĂ€hrend der Wechseljahre der Blutdruck an. Dr. Christa M. Bongarth von der Deutschen Herzstiftung berichtet parallel, dass ĂŒber die HĂ€lfte der Frauen in den ersten Jahren der Menopause eine Hypertonie entwickelt. Dr. Lea-Marie Köhler betont in diesem Zusammenhang die Bedeutung regelmĂ€Ăiger Vorsorgetermine sowie die sorgfĂ€ltige AbklĂ€rung einer Hormonersatztherapie.
Die biologischen Ursachen liegen in den hormonellen Verschiebungen, die oft frĂŒher als wahrgenommen einsetzen. Das Hormon Progesteron sinkt bereits ab Anfang oder Mitte 40 ab, wĂ€hrend fĂŒnf bis zehn Jahre spĂ€ter die Periodenblutung sistiert.
Progesteron senkt den Blutdruck, wirkt anxiolytisch, antientzĂŒndlich und fördert den Knochenaufbau. Zugleich schĂŒtzt Estradiol die GefĂ€Ăe vor Arteriosklerose, hemmt den Knochenabbau und verringert das Risiko fĂŒr Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Demenz.
LĂ€sst diese Schutzwirkung im Verlauf der Wechseljahre nach, steigt der GefĂ€Ăwiderstand. Laut Maas et al. (European Heart Journal 2021) entwickeln bis zu 50 Prozent der Frauen vor dem 60. Lebensjahr Bluthochdruck. Gleichzeitig wird die Erkrankung bei Patientinnen weiterhin schlechter erkannt und therapiert als bei MĂ€nnern.
Geschlechterspezifische Aspekte in der Diagnostik
Auf dem Berliner Forum Gender und Gesundheit am 5. Oktober 2026 forderten Fachleute eine stĂ€rkere Verankerung geschlechtsspezifischer Kriterien in PrĂ€vention, Anamnese und medizinischer Ausbildung. Bislang existiert in Deutschland lediglich eine Vollprofessur fĂŒr Gendermedizin.
Gezielte Fragen zu Schwangerschaftskomplikationen sowie zum genauen Zeitpunkt der Menopause können wesentliche Hinweise auf kardiovaskulÀre Erkrankungen liefern. Studien, die geschlechtsspezifische Unterschiede beim Blutdruck aufzeigen, sind jedoch bisher nicht in die klinischen Leitlinien eingeflossen.
Wer sich mit der hormonellen Umstellung befasst, sollte auch seine Blutwerte im Blick behalten, um Risiken frĂŒhzeitig zu erkennen. Dieser kostenlose 25-Seiten-Report erklĂ€rt, welche Werte wirklich wichtig sind und wie Sie Ihre Gesundheit aktiv schĂŒtzen. Laborwerte-Selbstcheck jetzt kostenlos sichern
In Deutschland leiden insgesamt etwa 20 bis 30 Millionen Menschen an Hypertonie â jeder dritte Erwachsene und drei von vier Personen ĂŒber 70 Jahren. Nach Angaben der Hochdruckliga ist Bluthochdruck der Hauptrisikofaktor fĂŒr Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die etwa 33 Prozent der TodesfĂ€lle in Deutschland verursachen.
Rund die HĂ€lfte aller SchlaganfĂ€lle geht auf Bluthochdruck zurĂŒck; bei circa 15 Prozent der Betroffenen fĂŒhrt der Schlaganfall zum Tod, und etwa ein Drittel der Hochdruckpatienten stirbt an einer Herzinsuffizienz.
WĂ€hrend die Deutsche Hochdruckliga empfiehlt, den systolischen Wert auf unter 130 mmHg zu senken, ergab die chinesische STEP-Studie bei 60- bis 80-JĂ€hrigen ideale Zielwerte zwischen 110 und 130 mmHg, verbunden mit einer geringeren GesamtmortalitĂ€t. FĂŒr die medikamentöse Einstellung kann das Single-Pill-Konzept mit KombinationsprĂ€paraten die Therapietreue unterstĂŒtzen.
Besonders in Lebensphasen mit erhöhtem Blutdruckrisiko ist eine natĂŒrliche Regulierung der Werte eine sinnvolle ErgĂ€nzung zur Vorsorge. Ein renommierter Medizinprofessor verrĂ€t in diesem Gratis-Report 7 einfache Tipps, um den Blutdruck dauerhaft und ohne sofortige Medikamentengabe zu kontrollieren. Kostenlosen Bluthochdruck-Ratgeber herunterladen
Leitlinien zur Hormontherapie bei Risikopatientinnen
ErgĂ€nzend nahmen das Komitee fĂŒr Frauen im Menopausenalter der FIGO und die World Heart Federation (WHF) im International Journal of Gynecology & Obstetrics in einem gemeinsamen Positionspapier Stellung zur Menopause-Hormontherapie (MHT).
Demnach bietet eine frĂŒhzeitig begonnene Gabe â idealerweise kurz nach Symptombeginn und innerhalb von zehn Jahren nach der letzten Menstruation â langfristige Vorteile und lindert Beschwerden. Bei Patientinnen mit hohem thromboembolischem Risiko gilt transdermales Ăstrogen kombiniert mit mikronisiertem Progesteron oder Dydrogesteron als sicherste Option.
Liegt bereits eine ischĂ€mische Herzkrankheit vor, wird niedrig dosiertes transdermales Ăstrogen bevorzugt. Eine Hormontherapie ersetzt nach EinschĂ€tzung beider Fachgesellschaften jedoch keine kardiovaskulĂ€re PrĂ€vention; Begleitmedikationen wie Statine bleiben weiterhin indiziert.
