Wiedereinstieg, Auszeit

Wiedereinstieg nach Auszeit: Psychiater warnt vor 100%-Erwartung

Veröffentlicht am: 03.08.2026 um 16:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Psychiater Alex Dugnist erläutert Strategien für einen gesunden beruflichen Neustart: Vorbereitung, Terminplanung und realistische Leistungserwartungen stehen im Fokus.

Psychisch gesund zurück in den Job: Expertenrat für den Wiedereinstieg
Ein aufgeräumter Schreibtisch mit Laptop und Notizbuch in hellem, natürlichem Morgenlicht als Symbol für einen strukturierten beruflichen Wiedereinstieg. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Der Übergang zurück in das Berufsleben nach einer längeren Abwesenheit stellt für viele Arbeitnehmer eine signifikante psychologische Belastungsprobe dar. Unabhängig davon, ob die Auszeit krankheitsbedingt, durch eine Elternzeit oder ein Sabbatical begründet war, erfordert die Reintegration in bestehende Arbeitsabläufe eine gezielte Herangehensweise. Alex Dugnist, Facharzt für Psychiatrie und leitender Oberarzt an der Median Rhein-Haardt-Klinik Bad Dürkheim, hat im August 2026 aktuelle Empfehlungen publiziert, die darauf abzielen, den Wiedereinstieg nachhaltig und gesundheitsfördernd zu gestalten.

Präventive Anpassung und informelle Kommunikation

Ein wesentlicher Aspekt für einen gelungenen Start ist laut den Ausführungen des Experten die Vorbereitungsphase unmittelbar vor dem ersten Arbeitstag. Um den sogenannten Praxisschock zu minimieren, rät Dugnist dazu, den eigenen Tagesrhythmus bereits einige Tage vor dem tatsächlichen Arbeitsbeginn schrittweise an die künftigen Anforderungen anzupassen. Dies betreffe insbesondere die Schlaf- und Wachzeiten, um den Organismus frühzeitig auf die bevorstehende Belastung einzustellen.

Zusätzlich zur physischen Vorbereitung gewinne die soziale Komponente an Bedeutung. Der Mediziner empfiehlt, bereits vor der Rückkehr ein informelles Telefonat mit Kollegen zu führen. Ein solcher Austausch diene dazu, soziale Barrieren abzubauen und sich auf informeller Ebene über Veränderungen im Team oder im Arbeitsumfeld zu informieren, bevor der offizielle Leistungsdruck einsetzt. Diese Form der sanften Kontaktaufnahme könne dazu beitragen, Ängste vor der Rückkehr in die Gruppe zu reduzieren.

Zeitmanagement und Kalendergestaltung in der Startphase

Für die erste Woche im Unternehmen sieht die psychologische Strategie eine bewusste Steuerung der Arbeitslast vor. Ein zentraler Rat von Alex Dugnist besteht darin, den Terminkalender in den ersten Tagen konsequent von großen Meetings und komplexen Abstimmungsrunden freizuhalten. Diese Phase solle primär der individuellen Einarbeitung und der Sichtung liegengebliebener Vorgänge dienen.

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Die Vermeidung von hochfrequenten Terminen in der Anfangsphase ermögliche es Rückkehrern, die Kontrolle über die eigenen Arbeitsabläufe zurückzugewinnen, ohne sofort von externen Anforderungen überrollt zu werden. Durch diesen Puffer werde der Stresspegel kontrollierbar gehalten, was die langfristige Stabilität am Arbeitsplatz fördere.

Die Gefahr der überhöhten Leistungserwartung

Ein kritischer Punkt in der Analyse des Psychiaters betrifft die psychologische Einstellung der Rückkehrer zu ihrer eigenen Produktivität. Ein weit verbreiteter und gefährlicher Denkfehler sei die Annahme, unmittelbar ab dem ersten Tag wieder eine Leistung von 100 % erbringen zu müssen. Dugnist warnt davor, dass genau diese Erwartungshaltung häufig in eine Überforderung führe.

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Vielmehr müsse der Wiedereinstieg als Prozess verstanden werden, in dem sich die volle Leistungsfähigkeit erst schrittweise wieder aufbaue. Wer sich selbst unter den Druck setze, sofort an das Niveau vor der Auszeit anzuknüpfen, riskiere Rückschläge. Die Akzeptanz einer temporär reduzierten Belastbarkeit sei daher kein Zeichen von Schwäche, sondern eine notwendige Voraussetzung für eine dauerhafte berufliche Rehabilitation. Unternehmen und Vorgesetzte seien hier gleichermaßen gefordert, diesen Spielraum einzuräumen, um die psychische Gesundheit ihrer Mitarbeiter nicht zu gefährden.

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