Bauwirtschaft, KI-Tools

Bauwirtschaft: KI-Tools verkürzen Angebotserstellung auf sieben Minuten

Veröffentlicht: 18.07.2026 um 07:30 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Neue Software-Tools automatisieren die Angebotserstellung in der Bauwirtschaft. Unstrukturierte Daten bleiben laut Branchenverband die größte Hürde.

Bau-Digitalisierung: KI erstellt Leistungsverzeichnisse aus BIM-Daten
Eine futuristische Baustelle mit einer holografischen Projektion eines BIM-Modells, überlagert mit Code und Daten, symbolisiert KI-Analyse. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Mitte Juli 2026 kündigten mehrere Softwarehäuser und Start-ups Lösungen an, die Leistungsverzeichnisse direkt aus digitalen Gebäudemodellen ableiten. Das Ziel: Die Zeitspanne für die Angebotserstellung massiv verkürzen.

Automatisierte Mengenermittlung und LV-Erstellung

Im Fokus steht die automatisierte Auswertung von BIM-Daten. BauerSoftware startet im August 2026 eine Beta-Phase für die KI-Integration in das Programm BUILDUP. Das System analysiert IFC-Modelle und generiert daraus direkt ein strukturiertes Leistungsverzeichnis.

Boon AI gewährte am 16. Juli ersten Nutzern Zugang zum „Boon Agent“. Der KI-basierte Schätzer automatisiert die Sichtung von Angeboten, die Prüfung von Spezifikationen und die Massenermittlung. Laut internen Tests erledigt das Tool Aufgaben in sieben Minuten, die sonst drei Wochen dauern.

Auch Graphisoft startete die Beta-Phase eines KI-Assistenten für Archicad. Nemetschek Arabia gab die regionale Verfügbarkeit von „Bluebeam Max“ im Nahen Osten bekannt – ein Tool mit KI-gestützten Prüfwerkzeugen.

Neue Werkzeuge für Vergabe und Ausschreibung

Spezialisierte Anbieter drängen mit Lösungen für den Vergabeprozess auf den Markt. Der Entwickler Paul Fel stellte am 16. Juli „Tender Automation“ vor. Das Tool identifiziert Positionen in Leistungsverzeichnissen und schlägt passende Hersteller vor.

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Ein weiteres Werkzeug namens „Produktneutral.de“ prüft Ausschreibungen auf die geforderte Produktneutralität. Ein Schwellenwertrechner übernimmt die Einordnung zwischen nationalen und EU-weiten Verfahren.

Auch ERP-Systeme werden smarter. Die X-DIGI GmbH präsentierte am 17. Juli eine Erweiterung für X-ERP. Der KI-Assistent erstellt Kundenangebote per Sprachsteuerung und fragt bei Unklarheiten selbstständig nach.

Datenqualität als entscheidende Hürde

Trotz des Fortschritts bleiben strukturelle Probleme. Moritz Lüscher, Digitalisierungsleiter beim Schweizer Baumeisterverband (SBV), bezeichnet unstrukturierte Daten als größte Hürde für KI im Bauwesen. Viele Unternehmen hätten zwar interne Daten – aber nicht systematisch aufbereitet.

Der Branchenverband empfiehlt Gegenmaßnahmen: Vereinheitlichung von Klassifizierungen, Standardisierung von Aufmaßen und Systematisierung der Nachkalkulation. Mit „Construix“ bietet der Verband einen digitalen Assistenten und Workshops an.

Die Bedeutung von Standards wie IFC, der DIN SPEC 91391 oder Vorgaben von buildingSMART nimmt stetig zu. Sie gewährleisten die Interoperabilität zwischen verschiedenen Systemen.

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Innovationen in der Bestandserfassung und Planung

Auch die mobile Erfassung von Gebäudedaten wird automatisiert. Die Hottgenroth Software AG veröffentlichte am 17. Juli eine neue App. Sie scannt Gebäude per LiDAR und erzeugt aus den Daten ein 3D-Modell für Architektur, Energieberatung oder Facility Management.

Wie weit die Effizienzgewinne reichen, zeigte der Hackathon „ConStructAI“ am 17. Juli. Rund 90 Teilnehmer arbeiteten mit Praxispartnern wie Riedel Bau oder Julius Berger International an Lösungen für 3D-Betondruck, Barrierefreiheitsprüfung oder Schallschutzverifizierungen.

In verwandten Bereichen sind die Fortschritte noch deutlicher: Bei der Design-Plattform von Arup und YJK sank die Planungszeit um 82 Prozent. Gleichzeitig reduzierte sich der Materialeinsatz um bis zu 20 Prozent.

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