Greenwashing-Verbot, EU-Regeln

Greenwashing-Verbot: Neue EU-Regeln für Umweltaussagen ab September

03.07.2026 - 18:11:13 | boerse-global.de

Ab September 2026 verbietet die EU vage Umweltversprechen. Unternehmen drohen hohe Bußgelder bei Verstößen gegen die neuen Transparenzregeln.

EU Greenwashing-Richtlinie: Strenge Regeln ab September 2026
Greenwashing-Verbot - Eine Hand legt ein grünes Blatt auf einen Stapel von Gesetzbüchern, symbolisierend neue Greenwashing-Gesetze und Compliance. 03.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Mit der „Empowering Consumers Directive“ (EmpCo) treten spätestens am 27. September 2026 striktere Vorgaben in Kraft. Ziel: Schluss mit vagen Öko-Versprechen, mehr Transparenz für Verbraucher.

Das Ende von „grün“ und „klimaneutral“

Vage Begriffe wie „umweltfreundlich“ oder „ökologisch“ reichen künftig nicht mehr. Unternehmen müssen sie durch anerkannte Zertifizierungen oder detaillierte Nachweise belegen. Besonders hart trifft es Aussagen zur Klimaneutralität, die nur auf CO?-Kompensation durch Offsetting-Projekte basieren – die sind dann tabu.

Erste Firmen reagieren bereits. KLM, Zalando, SHEIN, PostNL und DHL haben ihre Werbung angepasst oder ganz gestrichen. Andere wie Tony’s Chocolonely setzen auf hochspezifische Angaben, um den neuen Regeln zu genügen.

„Bis zum Stichtag müssen alle Unternehmen – auch Banken und Finanzdienstleister – die Anforderungen des deutschen Umsetzungsgesetzes erfüllen“, sagt Dr. Sunny Kapoor von der Kanzlei Clifford Chance.

Kontrollen laufen heiß – Bußgelder steigen

Die Behörden in Europa haben ihre Kontrollen schon vor dem Stichtag massiv ausgeweitet. In Dänemark explodierte die Zahl der Greenwashing-Anzeigen: von 16 im Jahr 2019 auf 146 im Jahr 2023 – das ist eine Verneunfachung. Schon jetzt laufen polizeiliche Anzeigen gegen BMW, Mercedes und Rockwool. Der Däne Hedestoker musste 125.000 Kronen Bußgeld zahlen.

In den Niederlanden drohen künftig bis zu 900.000 Euro Strafe von der Aufsichtsbehörde ACM. Kein Wunder: Das Misstrauen der Verbraucher ist enorm. Laut Umfragen glauben 46 Prozent den aktuellen grünen Werbeversprechen nicht mehr.

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Textilbranche besonders im Fokus

Die EU-Kommission hat in acht Mitgliedstaaten, darunter Deutschland, 132 Kleidungsstücke getestet. Ergebnis: Bei 37 Prozent stimmten die Angaben zur Materialzusammensetzung auf den Etiketten nicht.

Ab 19. Juli 2026 kommt ein EU-weites Vernichtungsverbot für unverkaufte Kleidung und Schuhe. Unternehmen müssen dann fünf Jahre lang dokumentieren, was mit der nicht verkauften Ware passiert.

Auch die Digitalbranche ist betroffen: Ab dem vierten Quartal 2026 wird das System der erweiterten Produzentenverantwortung (EPR) ausgeweitet. Anbieter von Website-Hosting und Marketing-Tools müssen dann Schnittstellen für CO?-Emissionsdaten bereitstellen.

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Finanzsektor und Industrie unter Druck

Doch nicht nur Konsumgüter stehen im Fokus. In Kassel kritisieren Bürgerinitiativen ein Pilotprojekt zu CO?-neutralem Beton als Greenwashing und fordern eine erneute Prüfung der Klimabilanz.

Im Finanzsektor betont Cristina Cano vom UN Global Compact: „Interne Richtlinien und messbare Indikatoren sind nötig, um Greenwashing-Risiken zu minimieren.“ Ab 2. August 2026 kommen zudem neue Transparenzpflichten nach dem EU AI Act – KI-generierte Inhalte müssen gekennzeichnet werden. Bei Verstößen droht Geschäftsführern persönliche Haftung und Bußgelder von bis zu zwei Prozent des Jahresumsatzes.

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