Hitzeschutz, EGB

Hitzeschutz: EGB fordert verbindliche Pausenzeiten für alle EU-Arbeitnehmer

25.06.2026 - 19:20:53 | boerse-global.de

Der Europäische Gewerkschaftsbund verlangt verbindliche Temperaturobergrenzen und Abkühlpausen für alle Arbeitnehmer in der EU.

EGB fordert EU-weite Hitzeschutz-Regeln für Beschäftigte
Hitzeschutz - Ein Bauarbeiter macht eine Trinkpause im Schatten auf einer heißen Baustelle, umgeben von Hitze und Sonne. 25.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Konkret fordert der Verband Temperaturobergrenzen und bezahlte Abkühlpausen. Die EU-Kommission prüft derzeit mögliche Schutzvorkehrungen.

Was der Fußball den Arbeitern voraus hat

Als Vorbild dient das Regelwerk der Fußball-WM 2026. Die FIFA verteidigt die obligatorischen Trinkpausen in der 22. und 67. Minute jeder Partie. Diese dreiminütigen Unterbrechungen sollen das Wohl der Spieler sichern – unabhängig vom Wetter.

EGB-Generalsekretärin Esther Lynch betont: Für Bauarbeiter, Obstpflücker oder Busfahrer reichen solche Kurzpausen nicht. Die Gewerkschaften fordern verbindliche Pausenzeiten, garantierten Zugang zu Schatten, Trinkwasser und Kühlmöglichkeiten. Auch eine Anpassung der Arbeitszeiten an die klimatischen Bedingungen steht auf der Liste.

Alarmierende Zahlen

Die Dringlichkeit belegen aktuelle Daten: Bei Temperaturen über 30 Grad steigt das Risiko für Arbeitsunfälle um 7 Prozent. Bei über 38 Grad klettert die Unfallwahrscheinlichkeit auf 15 Prozent. Die Zahl der hitzebedingten Todesfälle am Arbeitsplatz in der EU stieg seit 2000 um 42 Prozent.

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Weltweit zählt die WHO jährlich etwa 500.000 Hitzetote. In Europa waren zuletzt rund 94 Millionen Menschen Temperaturen von über 35 Grad ausgesetzt.

Was einzelne Länder bereits tun

Österreich verabschiedete zum 1. Januar 2026 eine neue Hitzeschutz-Verordnung. Betriebe mit Außenarbeitsplätzen müssen einen Hitzeschutzplan erstellen. Ab 32,5 Grad ist im Baubereich eine Arbeitsunterbrechung möglich – die Bauarbeiter-Urlaubs- und Abfertigungskasse übernimmt dann einen Teil des Lohns. Erste Kontrollen zeigten aber: Bei rund 700 Überprüfungen gab es fast 500 Verstöße.

In Deutschland mahnt die hessische Arbeitsministerin Hofmann die Einhaltung bestehender Regeln an. Ab 26 Grad Raumtemperatur sind Gegenmaßnahmen vorgesehen, ab 30 Grad werden sie verpflichtend.

Wie Konzerne reagieren

Einige Großunternehmen handeln bereits eigenständig:

  • Volkswagen setzt im Werk Baunatal auf flexible Gleitzeitmodelle, verteilt Elektrolytpulver und ermöglicht zusätzliche Duschpausen.
  • Fraport rotiert Einsätze auf dem Vorfeld, stellt UV-Schutzkleidung bereit und setzt Getränkewagen ein.
  • DHL stattet Zusteller mit Sonnencreme, Caps und Wasser aus und empfiehlt langärmelige Kleidung.
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Hitzeschutz als Vergabekriterium

Experten sehen die Arbeitswelt nur unzureichend auf die Normalität von Hitzewellen vorbereitet. Extreme Temperaturen senken die Leistungsfähigkeit, erhöhen Fehleranfälligkeit und Krankenstände. Die Gewerkschaft BAU-HOLZ fordert deshalb: Hitzeschutz soll festes soziales Kriterium in öffentlichen Bauausschreibungen werden. Eine Novelle des Bundesvergabegesetzes von 2026 schafft dafür bereits rechtliche Spielräume.

Neben technischen Lösungen wie Beschattung und Klimatisierung rücken organisatorische Anpassungen in den Fokus. Dazu gehören die Verlagerung von Arbeitszeiten in kühlere Tagesstunden oder die Einführung einer Siesta nach südeuropäischem Vorbild.

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