Steuerreform ab 2027: Zehn Milliarden Euro Entlastung für Familien
04.07.2026 - 15:49:43 | boerse-global.de
Die Bundesregierung hat Anfang Juli ein umfassendes Reformpaket verabschiedet. Es soll die deutsche Wirtschaft stabilisieren und private Haushalte finanziell entlasten. Kern der Einigung zwischen Union und SPD: eine Steuerreform mit einem jährlichen Entlastungsvolumen von rund zehn Milliarden Euro.
Steuerentlastungen ab 2027
Die Reform tritt zum 1. Januar 2027 in Kraft. Ihre volle Wirkung entfaltet sie im Jahr 2028. Zu den wichtigsten Änderungen gehört die Anhebung des steuerlichen Grundfreibetrags auf 12.900 Euro. Das Kindergeld steigt auf monatlich 272 Euro. Der Arbeitnehmerpauschbetrag erhöht sich auf 1.430 Euro.
Der Spitzensteuersatz von 42 Prozent bleibt bestehen. Er greift künftig aber erst ab einem Einkommen von 70.600 Euro. Deutlich verschärft wird die sogenannte Reichensteuer: Sie beträgt dann 45 Prozent ab 250.000 Euro und 47 Prozent ab 280.000 Euro Jahreseinkommen.
Wer profitiert – und wer nicht
Vor allem Familien mit Kindern sollen von den Neuregelungen profitieren. Ein Beispiel: Eine Pflegekraft und ein Busfahrer mit jeweils 2.800 Euro Bruttogehalt und zwei Kindern sparen ab 2028 rund 632 Euro pro Jahr. Eine Lehrerin und ein Ingenieur mit je 5.000 Euro Brutto kommen auf etwa 678 Euro Entlastung.
Alleinerziehende können mit Einsparungen zwischen 468 und 496 Euro rechnen. Für Alleinstehende ohne Kinder fällt die Entlastung dagegen mager aus. Ein Single mit 30.000 Euro Brutto hat ab 2028 gerade mal elf Euro mehr netto in der Tasche.
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Arbeitsrecht: Strengere Regeln kommen zurück
Das Paket enthält auch weitreichende Änderungen im Arbeitsrecht. Die telefonische Krankschreibung wird abgeschafft. Arbeitnehmer müssen künftig ab dem ersten Krankheitstag ein ärztliches Attest vorlegen. Die Regierung kehrt damit zu den Regeln aus der Zeit vor der Corona-Pandemie zurück.
Die Koalition verdoppelt zudem den Spielraum für sachgrundlose Befristungen auf 48 Monate. Beim Bürokratieabbau sieht die Einigung vor, zahlreiche Berichtspflichten zu streichen. Und eine Neuerung: Anträge bei Behörden gelten künftig nach vier Monaten automatisch als bewilligt – wenn keine Rückmeldung erfolgt.
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Kritik: Entlastung nur ein Tropfen auf den heißen Stein?
Die Gegenfinanzierung steht ebenfalls fest. Der Handwerkerbonus sinkt von 20 auf 15 Prozent. Die Pauschalsteuer für Minijobs steigt von zwei auf fünf Prozent. Und die Förderbank KfW muss 2027 und 2028 insgesamt 500 Millionen Euro Gewinn an den Bundeshaushalt abführen.
Ökonomen bewerten das Paket differenziert. Experten des DIW bezweifeln, dass die Entlastungen die kalte Progression bei einer Inflation von knapp drei Prozent vollständig ausgleichen. Zudem warnen Beobachter: Steigende Sozialabgaben könnten die steuerlichen Vorteile auffressen. Der Rentenbeitrag soll bis 2028 auf 19,9 Prozent klettern. Auch bei der Krankenversicherung sind Beitragssteigerungen zu erwarten.
Der Bund der Steuerzahler bezeichnet das Vorhaben als unzureichend. Das Entlastungsvolumen mache weniger als ein Prozent der gesamten Steuereinnahmen aus.
Bundeskanzler Merz verteidigte die Maßnahmen. Die angespannte Finanzlage lasse keine größeren Spielräume zu. Der Bundeshaushalt für 2027 soll bereits in der kommenden Woche formal beschlossen werden.
