Technologie-SouverÀnitÀt: EU plant 200-Milliarden-Offensive gegen US-Cloud
04.06.2026 - 00:31:07 | boerse-global.de
Die EuropĂ€ische Kommission hat am Mittwoch ein umfassendes Gesetzespaket vorgestellt, das Europas AbhĂ€ngigkeit von US-amerikanischer und chinesischer Digitalinfrastruktur drastisch reduzieren soll. Mit dem âEuropĂ€ischen Technologie-SouverĂ€nitĂ€tspaket" wollen die Verantwortlichen die Kontrolle ĂŒber kritische Daten und Lieferketten zurĂŒckgewinnen.
Die Neuordnung der globalen Lieferketten und der RĂŒckzug aus einseitigen AbhĂ€ngigkeiten schaffen derzeit völlig neue Marktbedingungen. In diesem kostenlosen Spezialreport erfahren Sie, welche Unternehmen als stille Gewinner aus dieser wirtschaftlichen Neuausrichtung hervorgehen. 3 Aktien-Top-Picks zur Deglobalisierung hier kostenlos sichern
Cloud-Markt: Schluss mit US-Dominanz
Mehr als 70 Prozent des europÀischen Cloud-Marktes entfallen derzeit auf drei US-Anbieter: Amazon, Microsoft und Google. Rund 80 Prozent aller digitalen Dienste in Europa stammen von Anbietern aus Drittstaaten. Das soll sich nun grundlegend Àndern.
Der Cloud and AI Development Act (CADA) verpflichtet öffentliche Stellen kĂŒnftig dazu, ihre Daten in Rechenzentren innerhalb der EU zu speichern. Vier Sicherheitsstufen fĂŒr sensible Daten werden eingefĂŒhrt. Besonders bei hohen Sicherheitsanforderungen mĂŒssen europĂ€ische Cloud-Dienste Vorrang erhalten.
Hintergrund ist der US Cloud Act, der amerikanischen Behörden den Zugriff auf Daten von US-Unternehmen erlaubt â unabhĂ€ngig vom Standort der Server. KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen machte klar: âEuropa kann es sich nicht lĂ€nger leisten, bei kritischer Infrastruktur von externen Anbietern abhĂ€ngig zu sein.â
Als symbolischen Schritt stellt das EuropÀische Parlament ab dem 4. Juni seine Standardsuche auf den französischen Anbieter Qwant um.
Milliarden fĂŒr Rechenzentren und KI
Ein Kernziel des Pakets: die drastische Ausweitung europĂ€ischer Rechenleistung. Die Kommission will die KapazitĂ€t innerhalb von fĂŒnf bis sieben Jahren verdreifachen â von aktuell 12 Gigawatt auf 60 Gigawatt bis 2030.
Die Kosten dafĂŒr werden auf rund 200 Milliarden Euro geschĂ€tzt. Um das Wachstum zu beschleunigen, sollen Genehmigungsverfahren fĂŒr neue Rechenzentren vereinfacht werden. Gleichzeitig will die EU einen Teil der 264 Milliarden Euro, die sie jĂ€hrlich fĂŒr US-Software ausgibt, in heimische Lösungen umleiten â etwa in den deutschen Anbieter Schwarz Digits.
WÀhrend Europa massiv in seine digitale SouverÀnitÀt investiert, stehen Unternehmen vor der Herausforderung, neue regulatorische Anforderungen wie die EU-KI-Verordnung rechtssicher umzusetzen. Dieser praxisnahe Leitfaden hilft Ihnen, Fristen und Pflichten beim Einsatz moderner Technologien von Anfang an richtig zu planen. Kostenloses E-Book zur EU-KI-Verordnung jetzt herunterladen
Chips Act 2.0: Halbleiterproduktion ausbauen
Der zweite Pfeiler des Pakets ist der Chips Act 2.0. Aktuell hÀlt die EU zehn Prozent der weltweiten Halbleiterproduktion. Das Ziel: 20 Prozent bis 2030. Ohne massive Eingriffe, so die EinschÀtzung, sei dieses Vorhaben kaum zu erreichen.
Das neue Gesetz setzt verstÀrkt auf die Nachfrageseite: EuropÀische Chips sollen gezielt gefördert werden. Zudem will sich die Kommission die Befugnis geben, bei kritischen EngpÀssen in die Lieferketten einzugreifen.
Politische Motive: Angst vor dem âKill-Switch"
Die treibende Kraft hinter dem VorstoĂ sind wachsende geopolitische Spannungen. Insider berichten, dass die BefĂŒrchtung eines plötzlichen Entzugs von Diensten durch auslĂ€ndische Regierungen â insbesondere im Fall einer zweiten Amtszeit von US-PrĂ€sident Donald Trump â die Entwicklung beschleunigt habe.
Ralf Wintergerst, PrĂ€sident des Digitalverbands Bitkom, begrĂŒĂte die VorschlĂ€ge grundsĂ€tzlich. Digitalminister Wildberger mahnte jedoch zu einem ausgewogenen Kurs: âEine totale Isolation wĂ€re der falsche Weg. Internationale Kooperation bleibt wichtig.â
Das Paket muss nun vom EuropÀischen Parlament und dem Rat der EU gebilligt werden, bevor es in Kraft treten kann.
Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - trading-notes lesen ist besser!
FĂŒr. Immer. Kostenlos.
