Abnehmen ohne Kalorien: Gießen startet Pilotstudie zum EASE-Ansatz
Veröffentlicht: 15.07.2026 um 22:32 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Die Zahl der stark Übergewichtigen stieg in 20 Jahren um 60 Prozent.
Der Wandel in der Behandlung ist rasant. Neue Medikamente versprechen radikale Gewichtsverluste. Gleichzeitig rücken Ansätze in den Fokus, die ganz ohne Kalorienzählen auskommen.
Intuitiv essen statt Kalorien zählen
Die Universität Gießen plant für November 2026 eine Pilotstudie. Sie untersucht den EASE-Ansatz – Erleben, Achtsamkeit, Stigma-Reduktion, Erkundung. 40 Teilnehmer sollen lernen, intuitiv zu essen.
Ziel ist nicht primär der Gewichtsverlust. Es geht um Lebensqualität und Freude an Bewegung. Prof. Ulrike Gisch leitet die Studie.
Eine aktuelle Untersuchung im Fachblatt Clinical Nutrition verglich Intervallfasten mit Kalorienzählen. 209 Erwachsene mit Adipositas machten sechs Monate mit. Ergebnis: Beide Methoden führten zu ähnlichem Gewichtsverlust.
Der Unterschied: Die Intervallfasten-Gruppe berichtete von geringerem mentalem Aufwand. Experten warnen jedoch vor Risiken. Fastenperioden können Essstörungen begünstigen und die Enthemmung beim Essen verstärken.
Low Carb für Diabetiker
Für Menschen mit Typ-2-Diabetes zeigen aktuelle Daten die Wirksamkeit von Low-Carb-Ansätzen. Eine Studie im BMJ Nutrition untersuchte 48 Diabetiker. Durchschnittsalter: 67 Jahre.
Medikamente allein sind bei Typ-2-Diabetes oft nicht die einzige Lösung, um die Werte nachhaltig zu verbessern. Wie ein ehemaliger Betroffener seinen HbA1c-Wert durch einfache 3-minütige Alltagsübungen normalisierte, erfahren Sie in diesem kostenlosen Ratgeber. 7 einfache Diabetes-Übungen mit Sofortwirkung jetzt kostenlos herunterladen
Nach sechs Monaten Coaching zur Kohlenhydratreduktion verloren die Teilnehmer durchschnittlich 5,2 Kilogramm. Der HbA1c-Wert sank von 60,0 auf 49,7 mmol/mol. Blutdruck und Blutfette blieben stabil.
Die Forscher stellten einen klaren Zusammenhang fest: Wer mehr Gewicht verlor, normalisierte seinen Blutzucker stärker.
Die neue Abnehmpille kommt
Mitte August 2026 wird die EU-Zulassung für eine Semaglutid-Pille erwartet. In den USA ist das Präparat bereits seit Jahresbeginn erhältlich.
46,5 Prozent der Befragten würden eine Tablette einer Spritze vorziehen. Bei Menschen mit BMI über 30 sind es sogar 51 Prozent. Doch Experten bleiben skeptisch.
Prof. Matthias Tschöp von der LMU München zweifelt an der Effektivität der oralen Gabe. Eine Metastudie im BMJ mit 100.000 Erwachsenen aus 262 Studien zeigt deutliche Unterschiede.
Die stärkste Gewichtsabnahme nach einem Jahr: Tirzepatid mit 14,9 Prozent, CagriSema mit 14,8 Prozent. Semaglutid als Injektion erreichte 9,8 Prozent, die orale Form 10,9 Prozent.
Nebenwirkungen und offene Fragen
Trotz beeindruckender Gewichtsverluste: Die Metastudie fand keine klinisch relevante Verbesserung der Lebensqualität. Häufige Nebenwirkungen sind Magen-Darm-Beschwerden und Muskelmasseverlust.
Nur für die Semaglutid-Spritze wurde eine Senkung des Risikos für Herzinfarkte, Herzschwäche und Todesfälle nachgewiesen.
Neue Hoffnung aus der Grundlagenforschung
Das Peptid BRP könnte ein Gamechanger sein. In Tierversuchen an Nagetieren und Schweinen reduzierte es die Nahrungsaufnahme um 50 Prozent. Der Wirkstoff aktiviert Sättigungsmechanismen im Hypothalamus.
Der entscheidende Vorteil: Anders als Inkretin-basierte Therapien blieb die Muskelmasse erhalten. Übelkeit trat nicht auf.
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Therapiestandards für die Praxis
Ein internationales Konsortium aus EASO, EFAD und ECPO veröffentlichte im Juli 2026 neue Empfehlungen. Ihr Kern: Medikamente allein reichen nicht.
Inkretin-basierte Behandlungen brauchen eine strukturierte medizinische Ernährungstherapie. Krafttraining erhält die Muskelmasse. Psychosoziale Begleitung ist Pflicht.
Regelmäßige Kontrollen der Körperzusammensetzung und Handgreifkraft sind essenziell. Die Experten weisen zudem auf bestehende Versorgungslücken in Europa hin.
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