Ballaststoffe: Studie misst 116 kcal weniger aufgenommene Energie pro Tag
Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 04:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Mechanismen der menschlichen Energieaufnahme sind komplexer als die bloĂe Berechnung von NĂ€hrwertangaben auf Lebensmittelverpackungen. Ein Forschungsteam der Arizona State University um Erstautor Taylor Davis sowie die Professoren Rosa Krajmalnik-Brown und Bruce Rittmann hat in Zusammenarbeit mit dem AdventHealth Translational Research Institute aus Orlando das Rechenmodell DAMM vorgestellt.
Das Modell, dessen Name fĂŒr âDigestion, Absorption and Microbial Metabolismâ steht, wurde im Fachjournal PLOS One veröffentlicht und erfasst den energetischen Beitrag von Darmmikroben prĂ€ziser als herkömmliche Verfahren.
Dreistufige Erfassung der NĂ€hrstoffverwertung
Das DAMM-Framework teilt die Energiegewinnung des Körpers in drei aufeinanderfolgende Stufen ein: die Initialenergie der Nahrung, die Absorption im DĂŒnndarm sowie die Fermentation im Dickdarm.
Aus den Modellberechnungen geht hervor, dass der obere Gastrointestinaltrakt beziehungsweise der DĂŒnndarm rund 85 Prozent der gesamten nutzbaren Energie bereitstellt. Die verbleibenden rund 15 Prozent stammen aus den mikrobiellen Abbauprozessen im unteren Verdauungstrakt.
Im Fokus der mikrobiellen AktivitÀt stehen kurzkettige FettsÀuren, die bei der Fermentation von Ballaststoffen im Kolon gebildet werden. Diese Verbindungen steuern im DAMM-Modell durchschnittlich rund 140 kcal pro Tag bei. Dies entspricht einem Anteil von rund 7,4 Prozent der gesamten nutzbaren Energie beziehungsweise der tÀglichen Energiezufuhr.
KalorienzĂ€hlen frustriert, weil die Zahlen auf der Verpackung nicht das wiedergeben, was Ihr Körper tatsĂ€chlich aufnimmt. Eine neue Studie zeigt: Eine ballaststoffreiche ErnĂ€hrung mit resistenter StĂ€rke fĂŒhrte zu rund 116 kcal pro Tag weniger absorbierter Energie â ganz ohne mehr HungergefĂŒhl. Wie Sie das fĂŒr sich nutzen, zeigt unser kostenloser Guide. Jetzt kostenlosen Ballaststoff-Guide anfordern
Ballaststoffe senken Netto-Kalorienaufnahme
ErgĂ€nzend zu den Modellannahmen analysierten die Wissenschaftler die Daten einer kontrollierten Studie zum Vergleich unterschiedlicher ErnĂ€hrungsweisen. Dabei zeigte sich, dass eine ballaststoffreiche ErnĂ€hrung, die reich an Ballaststoffen und resistenter StĂ€rke war, zu rund 116 kcal pro Tag weniger absorbierter Energie fĂŒhrte als eine typische westliche ErnĂ€hrungsform. Umgekehrt fĂŒhrte die sogenannte Western-DiĂ€t dazu, dass rund 116 kcal pro Tag mehr Energie vom Körper aufgenommen wurden.
Bemerkenswert ist dabei die Auswirkung auf das SĂ€ttigungsverhalten: Der geringere Energieertrag der ballaststoffreichen ErnĂ€hrung ging mit keinem gesteigerten HungergefĂŒhl einher. Obwohl die Zufuhr von Ballaststoffen die mikrobielle Bildung kurzkettiger FettsĂ€uren im Dickdarm ankurbelte, fiel die Netto-Kalorienaufnahme insgesamt niedriger aus.
Abkehr von traditionellen SchÀtzmethoden
Die Ergebnisse belegen zugleich Limitationen etablierter Rechenmodelle. Das DAMM-System schÀtzte die tatsÀchliche Aufnahme von Kalorien verlÀsslicher ein als die klassische Atwater-Methode. Das traditionelle Verfahren unterschÀtzte die tatsÀchliche Absorption im Verdauungstrakt systematisch.
StĂ€ndiger Hunger bei DiĂ€ten? Die Studiendaten deuten in eine andere Richtung: Ballaststoffe kurbeln die Fermentation im Dickdarm an und liefern trotzdem weniger Netto-Kalorien â das SĂ€ttigungsgefĂŒhl blieb in der Untersuchung unverĂ€ndert. Unser kostenloser 7-Tage-Plan zeigt, wie Sie ballaststoffreich essen, ohne auf SĂ€ttigung zu verzichten. 7-Tage-ErnĂ€hrungsplan jetzt sichern
Die beteiligten Forscher sehen in der differenzierten Modellierung der gastrointestinalen Prozesse eine wichtige Grundlage fĂŒr kĂŒnftige medizinische Anwendungen. Das vertiefte VerstĂ€ndnis ĂŒber das Zusammenspiel aus Verdauung und Darmflora soll perspektivisch dazu beitragen, Zivilisationsleiden wie Adipositas, Diabetes und weitere Stoffwechselerkrankungen besser zu erforschen und AnsĂ€tze fĂŒr eine personalisierte ErnĂ€hrung zu entwickeln.
