Bewegung: Sechs TreppenabsÀtze senken Herztodesrisiko um 39%
Veröffentlicht am: 24.08.2026 um 10:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der Sportmedizin und Kardiologie findet derzeit eine fundierte Neubewertung der tĂ€glichen Bewegungsempfehlungen statt. WĂ€hrend ĂŒber Jahrzete das Ziel von 10.000 Schritten pro Tag als Goldstandard fĂŒr die Gesundheitsvorsorge galt, zeichnen aktuelle Metastudien und Expertenanalysen ein differenzierteres Bild.
Neue Daten legen nahe, dass bereits deutlich geringere UmfĂ€nge ausreichen, um das Risiko fĂŒr Herz-Kreislauf-Erkrankungen und die allgemeine Sterblichkeit massiv zu senken.
Die Abkehr vom 10.000-Schritte-Mythos
Wissenschaftliche Analysen verdeutlichen, dass die weitverbreitete 10.000-Schritte-Regel keine medizinische, sondern eine marketingtechnische Grundlage hat.
Wie Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule Köln und weitere Experten erlĂ€utern, geht dieser Wert auf eine Werbekampagne des japanischen Unternehmens Yamasa aus dem Jahr 1964 zurĂŒck. Unter dem Namen âManpo-keiâ wurde damals ein SchrittzĂ€hler vermarktet, dessen Name ĂŒbersetzt â10.000-Schritt-ZĂ€hlerâ bedeutete.
Neuere Daten relativieren diese Zahl deutlich. Der Kardiologe Stefan Waller weist darauf hin, dass bereits ein tĂ€gliches Pensum von 6.000 bis 9.000 Schritten das Risiko fĂŒr Herz-Kreislauf-Erkrankungen signifikant reduziere. Dabei sei die RegelmĂ€Ăigkeit der Bewegung entscheidender als das Erreichen einer starren Höchstmarke. Laut einer Lancet-Studie verringere sich der Zusatznutzen fĂŒr die Gesundheit bereits ab einem Bereich von 5.000 bis 7.000 Schritten tĂ€glich.
Differenzierte Zielwerte nach Altersgruppen
Die optimale Schrittzahl scheint stark vom Lebensalter der Personen abzuhĂ€ngen. Eine im Jahr 2022 veröffentlichte Meta-Analyse von 15 Studien mit rund 47.500 Teilnehmern zeigte, dass bei Erwachsenen ĂŒber 60 Jahren das Sterberisiko bereits bei 6.000 bis 8.000 Schritten pro Tag stagniert â mehr Bewegung fĂŒhre in dieser Altersgruppe nicht zu einer weiteren signifikanten Senkung der MortalitĂ€t. FĂŒr jĂŒngere Erwachsene unter 60 Jahren liege das Plateau hingegen zwischen 8.000 und 10.000 Schritten.
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Eine weitere Untersuchung aus dem Jahr 2025, der Lancet Public Health Review mit ĂŒber 160.000 Teilnehmern, bestĂ€tigte, dass 7.000 Schritte pro Tag ausreichen, um das Risiko fĂŒr Erkrankungen wie Demenz, Typ-2-Diabetes und Krebs sowie das Sturzrisiko zu minimieren. Ein zusĂ€tzlicher Nutzen ĂŒber diesen Wert hinaus wurde vor allem bei der DemenzprĂ€vention beobachtet, wĂ€hrend er bei anderen Indikatoren abflachte.
Gesundheitsvorteile durch IntensitÀt und Treppensteigen
Neben der reinen QuantitĂ€t rĂŒckt die QualitĂ€t der Bewegung in den Fokus der Forschung. Eine Meta-Analyse von neun Studien mit ĂŒber 480.000 Teilnehmern im Alter zwischen 35 und 84 Jahren ergab, dass regelmĂ€Ăiges Treppensteigen eine hochwirksame Methode zur PrĂ€vention darstellt.
Demnach senken bereits sechs TreppenabsÀtze tÀglich das Risiko, an einer Herzerkrankung zu sterben, um 39 Prozent. Das allgemeine Sterberisiko verringere sich um 24 Prozent.
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ErgĂ€nzend dazu betonen Sportwissenschaftler die Bedeutung von Bewegungsunterbrechungen bei sitzenden TĂ€tigkeiten. Eine Studie im British Journal of Sports Medicine mit ĂŒber 11.000 Probanden empfiehlt fĂŒnfminĂŒtige Gehpausen pro Stunde. Dies sei optimal, um MĂŒdigkeit zu reduzieren und die Stimmung zu verbessern, wĂ€hrend langes Sitzen das Risiko fĂŒr chronische Krankheiten wie Diabetes und Herzinsuffizienz erhöhe.
Fokus auf einfache Metriken
Fitnessexperten wie Harley Pasternak plĂ€dieren dafĂŒr, sich auf einfache tĂ€gliche Ziele zu konzentrieren, anstatt komplexe Leistungsparameter wie die maximale Sauerstoffaufnahme (VO2max) zu verfolgen. FĂŒr die breite Bevölkerung seien 150 Minuten moderate oder 75 Minuten intensive AktivitĂ€t pro Woche ausreichend, um chronischen Erkrankungen vorzubeugen.
Daten einer Vanderbilt-Studie, die auf Fitbit-Aufzeichnungen von ĂŒber 15.000 Erwachsenen basiert, unterstreichen dies: Jede Steigerung der tĂ€glichen Bewegung zeige Wirkung.
So reduziere bereits ein Plus von 1.700 Schritten das Risiko fĂŒr Adipositas und Lebererkrankungen, wĂ€hrend zusĂ€tzliche 5.300 bis 5.500 Schritte das Risiko fĂŒr Diabetes und die Lungenerkrankung COPD senken könnten. Dennoch weisen die Forscher darauf hin, dass Bewegung allein bestehende koronare Herzkrankheiten oder Herzinsuffizienz nicht vollstĂ€ndig kompensieren kann.
