Insomnie: Übersichtsarbeit verknüpft Schlaflosigkeit mit 26 Prozent mehr Schlaganfallrisiko
Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 12:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Schlafstörungen gelten längst nicht mehr nur als lästiges Alltagsproblem. Internationale Übersichtsarbeiten aus dem Jahr 2026 rücken Insomnie in einen deutlich ernsteren Zusammenhang: Sie untersuchen, wie chronische Schlaflosigkeit das Schlaganfallrisiko beeinflusst – und ob kognitive Verhaltenstherapie (CBT) sogar biologische Alterungsprozesse verlangsamen kann.
Insomnie und erhöhtes Schlaganfallrisiko
Eine von der European Academy of Neurology finanzierte Übersichtsarbeit, veröffentlicht in Sleep Medicine Reviews, verknüpft Insomnie mit einem um 26 Prozent höheren Schlaganfallrisiko (Hazard Ratio 1,26; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,05–1,53).
Für diese Analyse wurden neun Studien mit über 1,3 Millionen Teilnehmenden ausgewertet, von denen sechs in die eigentliche Metaanalyse einflossen. Die Datenbanksuche reichte bis August 2025.
Dieselbe Übersichtsarbeit, an der auch die MedUni Wien beteiligt war, fand zudem einen Zusammenhang zwischen Insomnie und einem um 28 Prozent höheren Risiko einer Krankenhausaufnahme aus beliebigem Grund (Odds Ratio 1,28; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,14–1,43). Für diese Fragestellung flossen drei von fünf identifizierten Studien in die Metaanalyse ein.
Die Autoren der European Academy of Neurology weisen darauf hin, dass die Evidenz Insomnie auch mit Depression, suizidalem Verhalten sowie mit Hinweisen auf Demenz – insbesondere Alzheimer – in Verbindung bringt. Eine frühere Metaanalyse geht davon aus, dass rund 22 Prozent der Allgemeinbevölkerung von diagnostischer Insomnie betroffen sind.
Wichtig ist allerdings die Einschränkung, die die European Academy of Neurology selbst betont: Die beobachteten Zusammenhänge belegen keine Ursache-Wirkungs-Beziehung. Uneinheitliche Definitionen von Insomnie in den zugrunde liegenden Studien sowie mögliche Einflüsse durch Schlafmedikamente schränken die Aussagekraft der Ergebnisse ein.
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Kognitive Verhaltenstherapie und biologisches Altern
Parallel dazu liefert eine Studie der UCLA Hinweise darauf, dass sich die Folgen von Schlaflosigkeit therapeutisch abmildern lassen. Bei fast 100 Erwachsenen über 60 Jahren mit Insomnie zeigte sich, dass kognitive Verhaltenstherapie mit einem langsameren biologischen Alterungstempo verbunden war.
Die untersuchten Personen stammten aus einer größeren randomisierten Studie mit 291 Teilnehmenden, die entweder CBT oder eine allgemeine Schlafedukation erhielten.
Für die Analyse wurden Blutproben vor Beginn der Behandlung sowie bis zu zwei Jahre danach untersucht. Als Maßstab diente unter anderem die epigenetische Uhr DunedinPACE. Bei erfolgreicher kognitiver Verhaltenstherapie sank zudem der Zellalterungsmarker p16INK4a.
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Bemerkenswert ist der Kontrast zwischen den beiden Behandlungsgruppen: Während die CBT-Gruppe laut DunedinPACE-Analysen ein verlangsamtes Alterungstempo aufwies, zeigte sich in der Gruppe mit allgemeiner Schlafberatung sogar eine beschleunigte Alterung. Die reine Schlafedukation brachte demnach nicht den gleichen Effekt auf das biologische Alterungstempo wie die strukturierte Verhaltenstherapie.
Einordnung und offene Fragen
Die UCLA-Forscher betonen, dass ihre Ergebnisse vorläufig sind und keine direkte Verlangsamung der Alterung belegen. Weitere Forschung sei nötig, um die zugrunde liegenden Mechanismen zu verstehen und zu prüfen, ob sich die Befunde auf andere Altersgruppen übertragen lassen.
Die Studie, deren Ergebnisse in The Lancet Healthy Longevity veröffentlicht wurden, weist zudem darauf hin, dass die kognitive Verhaltenstherapie in der Praxis vier bis acht Sitzungen erfordern kann – ein vergleichsweise überschaubarer Aufwand angesichts der möglichen gesundheitlichen Tragweite.
Insgesamt fügen sich beide Forschungsstränge zu einem Bild zusammen, das Schlaflosigkeit als mehr als ein subjektives Beschwerdebild erscheinen lässt: als möglichen Risikofaktor für schwerwiegende Gesundheitsereignisse – und zugleich als ein Feld, in dem gezielte Verhaltenstherapie messbare biologische Effekte zeigen könnte. Beide Übersichtsarbeiten mahnen jedoch zur Vorsicht bei der Interpretation, solange kausale Zusammenhänge nicht abschließend geklärt sind.
