KI-Transformation: 62% planen, doch nur 38% handeln wirklich
Veröffentlicht: 08.07.2026 um 01:48 Uhr, Redaktion boerse-global.de
62 Prozent der Unternehmen erwarten tiefgreifende Veränderungen durch Künstliche Intelligenz – doch nur 38 Prozent haben konkrete Transformationsprozesse gestartet.
Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Roland Berger, für die zwischen Dezember 2025 und April 2026 insgesamt 472 Führungskräfte befragt wurden. Die größten Hürden: fehlende KI-Kompetenzen in der Belegschaft (49 Prozent) und ungeeignete Organisationsstrukturen (37 Prozent). Besonders alarmierend: 59 Prozent der Teilnehmer sehen die Führungsebene als unzureichend auf den Wandel vorbereitet.
Wer ist eigentlich zuständig?
Die strukturellen Probleme werden durch unklare Verantwortlichkeiten verschärft. Eine Untersuchung von Horváth & Partners unter 200 Entscheidern zeigt: 58 Prozent der Unternehmen beklagen Konflikte um die Zuständigkeit für Digitalisierungsprojekte.
In fast jedem zweiten Unternehmen herrscht Verwirrung durch mehrfache Zuständigkeiten. Nur vier Prozent der befragten Firmen haben einen dedizierten Chief Digital Officer (CDO). 43 Prozent der Unternehmen haben ihre Aufgabenprofile im Zuge der Digitalisierung nicht neu justiert.
Die „Single Source of Truth“ als Ziel
Um fragmentierte Systemlandschaften zu überwinden, setzen Industrieunternehmen auf integrierte Plattformen. Der Automobilzulieferer Webasto harmonisiert etwa seine globale Produktentwicklung mit einer PLM-Plattform von der ILC Group. Die Verknüpfung von Produktstrukturen mit bestehenden SAP-Systemen führte laut Projektbericht zu mehr Effizienz und niedrigeren Prozesskosten.
Auch bei SAP selbst tut sich etwas. Auf der SAP Sapphire 2026 wurden sieben neue Assistenten für die Cloud-Migration vorgestellt. SAP Cloud ALM soll künftig als zentrale Plattform für KI-Agenten dienen. Für Nutzer des bisherigen SAP Solution Managers endet die Standardwartung am 31. Dezember 2027 – ein früher Umstieg ist Pflicht.
Agentic AI: Vom Pilotprojekt zum Regelbetrieb
Die Skalierung von KI-Agenten stellt Unternehmen vor neue Herausforderungen. Experten betonen: Der Erfolg hängt weniger von der Technologie ab als von standardisierten Prozessen und klaren Verantwortlichkeiten. Das Konzept einer „Agent Factory“ soll helfen, von isolierten Einzelinitiativen zu einem systematischen Betrieb mit wiederverwendbaren Bausteinen zu kommen.
Das Thema Data Governance rückt dabei in den Fokus – besonders mit Blick auf den EU AI Act. Dessen Regelungen für Hochrisiko-Anwendungen greifen ab August 2026. Eine Studie von Veeam zeigt eine erhebliche Umsetzungslücke: 80 Prozent der Führungskräfte glauben, KI sicher skalieren zu können – aber nur jedes dritte Unternehmen kann die notwendigen Prüfungsnachweise vorlegen.
Die neuen Regeln des EU AI Act stellen viele Unternehmen vor große Herausforderungen bei der Risikodokumentation und Qualitätssicherung. Dieser kostenlose Leitfaden hilft Ihrer Rechts- und IT-Abteilung, die Fristen, Pflichten und Risikoklassen der KI-Verordnung schnell zu überblicken. EU AI Act in 5 Schritten verstehen
Die Folge: 52 Prozent der Unternehmen haben ihre KI-Initiativen bereits zurückgefahren, 28 Prozent stellten Projekte komplett ein.
Wissensmanagement und der Faktor Mensch
Ein Whitepaper des Fraunhofer IML vom Mai 2026 zeigt praktische Einsatzfelder: von Mengen- und Transportkostenprognosen über LLM für internes Wissensmanagement bis zur computergestützten Ladungsträgererkennung. Für kleine und mittlere Unternehmen empfehlen die Forscher ein schrittweises Vorgehen.
Der Mensch bleibt der entscheidende Faktor. Das Fraunhofer FIT bietet ab dem zweiten Halbjahr 2026 eine Zertifikatsweiterbildung zum „Human-AI Teaming“ an. Sie vermittelt Konzepte für eine menschengerechte Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine.
Neben rechtlichen Anforderungen bringen KI-Systeme auch neue Cyberrisiken mit sich, auf die Unternehmen proaktiv reagieren müssen. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Report, welche rechtlichen Pflichten und Bedrohungen Unternehmer jetzt kennen müssen, um ihre IT-Sicherheit ohne teure Investitionen zu stärken. Gratis-Report zu KI-Gesetzen und Cyberrisiken abrufen
Auch im Projektmanagement ändern sich die Anforderungen: Eine Reform der PMP-Prüfungsanforderungen tritt am 9. Juli 2026 in Kraft und integriert neue Standards.
Die Erfahrungen aus der Transformation bei Volkswagen zeigen: Neben technischer Expertise sind Vertrauen und aktive Mitgestaltung der Beschäftigten entscheidend für langfristigen Erfolg. Das Ziel bleibt die Schaffung effizienter Verwaltungs- und Produktionsprozesse – wie sie auch die ARD mit ihrer größten Verwaltungsreform anstrebt. Das Projekt zur Harmonisierung von knapp 200 Prozessen soll bis 2028 Einsparungen von 951 Millionen Euro realisieren.
