Krafttraining, Gesamtsterberisiko

Krafttraining: 13 Prozent weniger Gesamtsterberisiko bei 90 bis 120 Minuten

Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 16:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Studien verbinden regelmĂ€ĂŸiges Krafttraining mit besserer MobilitĂ€t und geringerem Sterberisiko; Gehen bleibt eine sinnvolle ErgĂ€nzung.
Ein minimalistischer Trainingsbereich mit einer Yogamatte und WiderstandsbÀndern in einem hellen, sonnendurchfluteten Raum. Illustration mit AI erstellt.

FĂŒr viele Menschen gilt regelmĂ€ĂŸiges Spaziergehen als bevorzugte Form der Bewegung im Alter. Fachleute aus den Bereichen Physiotherapie und Fitnesstraining betonen jedoch zunehmend, dass Krafttraining ab einem Alter von etwa 50 Jahren eine klare PrioritĂ€t vor reinem Gehen erhalten sollte.

Ursache hierfĂŒr ist der natĂŒrliche, mit dem Alter fortschreitende Muskelabbau, der in der Medizin als Sarkopenie bezeichnet wird. Gezielte Kraftreize – ausgefĂŒhrt mit dem eigenen Körpergewicht, elastischen BĂ€ndern oder Hanteln – stoppen diesen Prozess nicht nur, sondern unterstĂŒtzen zugleich die Knochengesundheit, indem sie die Kalziumfixierung anregen und so vor Osteoporose schĂŒtzen.

Entlastung der Gelenke und Stabilisierung des Stoffwechsels

Ein kontinuierlicher Muskelverlust hat weitreichende Folgen fĂŒr den gesamten Bewegungsapparat. Gut trainierte Beine und eine stabile RĂŒckenmuskulatur tragen maßgeblich dazu bei, Knie, HĂŒfte und LendenwirbelsĂ€ule von ĂŒbermĂ€ĂŸigen Belastungen zu befreien. Gleichzeitig erfĂŒllt Muskelgewebe wichtige metabolische Aufgaben: Eine höhere Muskelmasse steigert den Energieverbrauch in Ruhephasen und hilft dabei, den Blutzuckerspiegel stabil zu halten.

Fachleute weisen darauf hin, dass Gehen weiterhin ein wertvoller Bestandteil des Alltags bleiben kann, jedoch durch gezielte KraftĂŒbungen ergĂ€nzt werden sollte. Als Orientierung fĂŒr Einsteiger ab 50 Jahren werden zwei bis drei Einheiten pro Woche empfohlen.

FĂŒr die Umsetzung zu Hause genĂŒgen hĂ€ufig einfache Übungsfolgen wie Kniebeugen von einem Stuhl aus, sanfte Ausfallschritte, LiegestĂŒtze an einer Tischkante oder Bewegungen mit elastischen WiderstandsbĂ€ndern.

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Schutz vor Knochenschwund und chronischen Erkrankungen

Zum Weltosteoporosetag hob die Cleveland Clinic hervor, dass insbesondere Frauen ein erhöhtes Risiko fĂŒr Knochenschwund aufweisen. Laut Evan Peck von der Cleveland Clinic regt Krafttraining mit Hanteln, freien Gewichten, WiderstandsbĂ€ndern oder Gewichtswesten das Gewebewachstum an und stĂ€rkt so die Knochenstruktur.

Peck empfiehlt mindestens zwei wöchentliche Trainingseinheiten mit drei bis vier Übungen, die mehrere Muskelgruppen gleichzeitig fordern, darunter Kniebeugen, Kreuzheben oder BankdrĂŒcken.

Einsteiger sollten zunĂ€chst leichtere Gewichte und geringere Wiederholungszahlen wĂ€hlen, da die korrekte BewegungsausfĂŒhrung Vorrang vor hoher Trainingslast habe. Ein solches Training nĂŒtze zudem der Herzgesundheit, dem Stoffwechsel und chronischen Leiden und sei selbst fĂŒr Menschen in den Neunzigern noch gewinnbringend.

Auch eine Untersuchung des Karolinska-Instituts ĂŒber einen Beobachtungszeitraum von 47 Jahren zeigt, dass Kraft und körperliche Fitness ab einem Alter von rund 35 Jahren spĂŒrbarer nachlassen als bislang angenommen. Körperliche AktivitĂ€t könne diesen Prozess verlangsamen, ihn jedoch nicht vollstĂ€ndig aufhalten.

Wissenschaftliche Daten zu Kraft und Sterblichkeit

Den messbaren Nutzen belegen mehrere epidemiologische Erhebungen. In einer prospektiven Kohortenstudie im Rahmen des Projekts Objective Physical Activity and Cardiovascular Health zeigte sich ein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen höherer Muskelkraft und einer geringeren GesamtmortalitÀt.

Gemessen an der HandgriffstĂ€rke wies das zweite Quartil eine Hazard Ratio (HR) von 0,94 auf (95%-Konfidenzintervall 0,85–1,06), das dritte Quartil lag bei 0,85 (0,75–0,97) und das oberste Quartil bei 0,67 (0,58–0,78) im Vergleich zum schwĂ€chsten Viertel.

Eine kĂŒrzere Zeit beim Aufstehen von einem Stuhl war ebenfalls mit sinkenden Sterberaten assoziert (HR von 0,79 in Quartil 2, 0,76 in Quartil 3 und 0,63 in Quartil 4), selbst nach Bereinigung um Gehgeschwindigkeit, Sitzdauer und EntzĂŒndungsmarker.

ErgĂ€nzend ergab eine im British Journal of Sports Medicine publizierte Harvard-Studie an 147.000 Erwachsenen mit einem Durchschnittsalter von 54 Jahren ĂŒber einen Zeitraum von bis zu 30 Jahren, dass 90 bis 120 Minuten Krafttraining pro Woche mit einem um 13 Prozent verringerten Gesamtsterberisiko einhergingen.

Über 120 Minuten wöchentlich hinaus ließ sich kein zusĂ€tzlicher Nutzen feststellen. In dieser Gruppe sank das Risiko eines kardiovaskulĂ€ren Todes um 19 Prozent und das Risiko fĂŒr neurologische Erkrankungen um 27 Prozent. Den besten Schutz wiesen Teilnehmende auf, die ein hohes Ausdauerpensum mit 60 bis 119 Minuten Krafttraining pro Woche kombinierten.

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Funktionelle Gewinne auch im hohen Alter

Dass sich MobilitÀtsverluste selbst bei bestehenden EinschrÀnkungen umkehren lassen, verdeutlicht eine randomisierte Studie der UniversitÀt São Paulo an 60 Teilnehmern mit einem Durchschnittsalter von 74 Jahren.

Nach 24 Wochen mit dreimal wöchentlich 30 Minuten Intervalltraining mit dem eigenen Körpergewicht verbesserten sich Gehgeschwindigkeit, AufstehfÀhigkeit und funktionelle MobilitÀt deutlich, wÀhrend der systolische Blutdruck sank.

Von den zu Beginn als fragil eingestuften Personen erreichten 80 Prozent den Status prÀ-fragil und 20 Prozent den Status robust, wÀhrend 69,2 Prozent der zuvor prÀ-fragilen Teilnehmenden am Ende als robust galten.

FĂŒr ein ausgewogenes Altern raten Trainings- und Gesundheitsorganisationen daher zu einer planvollen Kombination: Neben 150 bis 300 Minuten moderater aerober Bewegung pro Woche sichert Krafttraining an mindestens zwei Tagen den Erhalt der Muskulatur und damit die SelbststĂ€ndigkeit im Alltag.

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