Krafttraining: Zwei Einheiten pro Woche senken Herzinfarktrisiko um 44%
Veröffentlicht: 03.07.2026 um 11:31 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Sportmediziner sprechen von einem Paradigmenwechsel.
Minimaler Aufwand, maximale Wirkung
Nur 30 bis 45 Minuten Krafttraining, zweimal die Woche â das reicht laut Sportmediziner JĂŒrgen GieĂing, um dem altersbedingten Muskelabbau entgegenzuwirken. Ohne Training verlieren Menschen im Laufe ihres Lebens bis zur HĂ€lfte ihrer Muskelmasse. Die Folgen dieser sogenannten Sarkopenie sind gravierend: Das Risiko fĂŒr KnochenbrĂŒche steigt um ĂŒber 80 Prozent, die Sturzgefahr um rund 60 Prozent.
Eine Studie im Journal of the American College of Cardiology (JACC) untermauert den prĂ€ventiven Effekt. Bei ĂŒber 117.000 Teilnehmerinnen senkten zwei Stunden Krafttraining pro Woche das Herzinfarktrisiko um 44 Prozent.
Und schon kurze Bewegungseinheiten heben die Stimmung: Das King's College London fand heraus, dass bereits 15 Minuten und 9 Sekunden tÀgliche Bewegung das geistige Wohlbefinden stÀrker steigern als Wellnessurlaube.
Nicht die Masse zÀhlt, sondern die QualitÀt
Neue Forschung der University of Edinburgh stellt einen bisherigen Grundsatz infrage. Veröffentlicht in der Fachzeitschrift Radiology, zeigt die Untersuchung von 1.722 Erwachsenen: Entscheidend fĂŒr die Herzgesundheit ist nicht die reine Muskelmasse, sondern die MuskelqualitĂ€t.
Eine unterdurchschnittliche QualitĂ€t im Oberkörper erhöht das Herzinfarktrisiko um 58 Prozent, das allgemeine Sterberisiko sogar um 85 Prozent. Verbessert sich die Muskel-Attenuation â ein MaĂ fĂŒr Gewebedichte und -qualitĂ€t â um zehn Einheiten, sinkt das Herzinfarktrisiko um 31 Prozent. Bei der reinen Masse fanden die Forscher keinen vergleichbaren Zusammenhang.
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Weniger ist manchmal mehr
Die Trainingslehre erlebt gerade ein Umdenken. Eine Ăbersichtsarbeit im Strength and Conditioning Journal zeigt: Training bis zum vollstĂ€ndigen Muskelversagen ist fĂŒr den Muskelaufbau nicht zwingend nötig. Wer ein bis drei Wiederholungen vorher stoppt, erzielt Ă€hnliche ZuwĂ€chse â und erholt sich deutlich schneller. Training bis zum Versagen verlĂ€ngert die Regenerationszeit um 24 bis 48 Stunden.
Auch bei den Ăbungen setzt sich ein neuer Trend durch. Klassische Sit-ups belasten die HalswirbelsĂ€ule und sind fĂŒr die RumpfstabilitĂ€t weniger effektiv als Planks, Leg Raises oder Pilates-Ăbungen. FĂŒr die allgemeine Fitness empfehlen Experten EigengewichtsĂŒbungen wie LiegestĂŒtze, KlimmzĂŒge und Kniebeugen â allerdings mit korrekter Technik, um GelenkschĂ€den zu vermeiden.
FĂŒr maximale Ergebnisse ist oft gar kein stundenlanges Training nötig, wenn die Effizienz der Ăbungen stimmt. Ein renommierter Sportmediziner hat 17 "WunderĂŒbungen" zusammengestellt, die in nur 3 Minuten tĂ€glich Beschwerden lindern und Muskeln aufbauen. Kostenlosen Ratgeber mit 17 WunderĂŒbungen anfordern
Protein-Boost und Risiken im Sommer
ErgĂ€nzend zum Training rĂŒckt die ErnĂ€hrung in den Fokus. Eine Studie der UniversitĂ€t Cambridge in Frontiers in Nutrition legt nahe: Die aktuellen Proteinempfehlungen fĂŒr Ă€ltere Menschen sind zu niedrig. Die Forscher raten zu einer verdopplung der Proteinzufuhr. In Kombination mit Kraft- und Ausdauertraining lasse sich das Sterberisiko um bis zu 40 Prozent senken.
Doch Vorsicht bei besonderen Bedingungen: Intensives Training bei hohen Sommertemperaturen kann die mĂ€nnliche Fruchtbarkeit beeintrĂ€chtigen â etwa durch erhöhte Temperaturen beim Radsport oder verminderten venösen RĂŒckfluss bei extremem Kraftsport. Und eine Studie der Hallym-UniversitĂ€t warnt: Nicht nur Bluthochdruck ist gefĂ€hrlich. Ein dauerhaft zu niedriger Blutdruck erhöht das Alzheimer-Risiko um das 2,74-Fache.
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