REM-Schlaf, Studie

REM-Schlaf: Neue Studie belegt Schutz vor 83 Erkrankungen

Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 23:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Analyse von 95.559 Menschen verknüpft REM-Schlaf mit weniger Erkrankungen. Sechs bis acht Stunden gelten als günstigster Schlafbereich.

Studie: REM-Schlaf steht mit geringerem Krankheitsrisiko in Verbindung
Ein minimalistisch eingerichtetes Schlafzimmer in ruhigem Morgenlicht, das eine Atmosphäre von erholsamem Schlaf vermittelt. Illustration mit AI erstellt.

Eine im September 2026 in der Fachzeitschrift PLOS Medicine veröffentlichte Untersuchung der Capital Medical University und der Peking University gibt detaillierte Einblicke in den Zusammenhang zwischen verschiedenen Schlafstadien und dem Risiko für zahlreiche Erkrankungen.

Die Wissenschaftler um die leitenden Autoren Shengzhi Sun und Jinsong Luo werteten dafür Daten von 95.559 Teilnehmern der UK Biobank aus. Die Analyse zeigt, dass insbesondere der REM-Schlaf (Rapid Eye Movement) eine protektive Rolle bei einer Vielzahl von Krankheitsbildern spielt.

REM-Schlaf als Indikator für neurologische und kardiovaskuläre Risiken

Die Forscher stellten fest, dass ein höherer Anteil an REM-Schlaf mit einem verringerten Risiko für insgesamt 83 Erkrankungen assoziiert ist. Auf Basis der Daten, die über sieben Tage mittels Handgelenk-Akzelerometern erhoben wurden, berechneten die Wissenschaftler signifikante Korrelationen.

Pro Anstieg des REM-Schlafs um 47,6 Minuten (Interquartilbereich) sank das Risiko für Parkinson deutlich (Hazard-Ratio [HR] 0,20). Auch für Multiple Sklerose (HR 0,48), Demenz (HR 0,54) und Alzheimer (HR 0,69) ergaben sich geringere Wahrscheinlichkeiten.

Im Bereich der Herz-Kreislauf-Erkrankungen korrelierte ein höherer REM-Anteil ebenfalls mit positiven Outcomes. So lag die Hazard-Ratio für Herzinsuffizienz bei 0,74. Zudem wurden geringere Risiken für Hypertonie, Vorhofflimmern, ischämische Herzkrankheiten und Hypotonie beobachtet. Insgesamt identifizierte das Team nach Anwendung der Bonferroni-Korrektur 156 signifikante Assoziationen zwischen Schlafmetriken und dem Gesundheitszustand.

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Differenzierte Auswirkungen von Leicht- und Tiefschlaf

Während der REM-Schlaf breite protektive Effekte zeigte, lieferte die Studie zu anderen Schlafphasen gemischte Ergebnisse. Ein höherer Anteil an Tiefschlaf war mit einem geringeren Risiko für sieben Erkrankungen verbunden, darunter Typ-2-Diabetes (HR 0,89) und schwere depressive Störungen (MDD, HR 0,86).

Im Gegensatz dazu korrelierte ein erhöhter Anteil an Leichtschlaf mit einem gesteigerten Risiko für 28 Erkrankungen. Besonders deutlich war dieser Zusammenhang bei schweren depressiven Störungen mit einer Hazard-Ratio von 1,31. Dennoch wiesen die Daten für Leichtschlaf auch protektive Tendenzen auf: Das Risiko für Herzinsuffizienz (HR 0,86) und Zellulitis (HR 0,83) war bei Probanden mit mehr Leichtschlaf reduziert.

Schlafdauer und Kontinuität als Gesundheitsfaktoren

Die Untersuchung der Gesamtschlafdauer bestätigte den Bereich von sechs bis acht Stunden pro Nacht als optimal. Diese Gruppe wies mit rund 22 Prozent den höchsten relativen Anteil an REM-Schlaf auf. Eine Schlafdauer in diesem Korridor war mit dem geringsten Risiko für 69 Erkrankungen assoziiert.

Demgegenüber stand eine kurze Schlafdauer von unter fünf Stunden, die mit einem erhöhten Risiko für 37 Erkrankungen einherging. Eine insgesamt längere Schlafdauer reduzierte hingegen das Risiko für 50 Leiden, darunter Azidose, Typ-2-Diabetes und Protein-Kalorien-Mangelernährung.

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Neben der Dauer erwies sich die Kontinuität des Schlafs als wesentlicher Faktor. Unregelmäßige Schlafmuster waren mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für Bauchschmerzen (HR 1,13), Angststörungen (HR 1,23) und MDD (HR 1,26) verbunden. Wachphasen nach dem ersten Einschlafen korrelierten zudem mit einem erhöhten Risiko für Substanzabhängigkeit (HR 1,33) und Alkoholmissbrauch (HR 1,22).

Methodik und Limitationen der Forschung

Die Studie basierte auf einem medianen Follow-up-Zeitraum von 8,9 Jahren. Das mittlere Alter der Teilnehmer lag bei 56,2 Jahren, wobei der Frauenanteil 56,3 Prozent betrug. Die Autoren weisen darauf hin, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, aus der keine direkten Kausalitäten abgeleitet werden können; eine reverse Kausalität sei nicht auszuschließen.

Da die Schlafstadien über Akzelerometer geschätzt und nicht per Polysomnographie im Labor gemessen wurden, bestehen methodische Einschränkungen. Zudem waren fast 97 Prozent der Teilnehmer weiß, was die Generalisierbarkeit auf andere Bevölkerungsgruppen einschränken könnte.

Zur Förderung des für die Gesundheit förderlichen REM-Schlafs, der vor allem in den frühen Morgenstunden auftritt, verweisen Experten auf die Vermeidung störender Faktoren wie Alkohol, Stress, Lärm und Schichtarbeit.

Als förderlich gelten konstante Aufwachzeiten, eine kühle Schlaftemperatur zwischen 16 und 19 Grad Celsius sowie der Verzicht auf helles Bildschirmlicht nach 21 Uhr. Da Koffein eine Halbwertszeit von fünf bis sieben Stunden aufweist, wird zudem ein Verzicht ab dem Nachmittag empfohlen.

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de | wissenschaft | 70160207 |