Schlaf, Senioren

Schlaf bei Senioren: Mehr als fĂŒnf Stunden können völlig ausreichen

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 10:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de
SchlafqualitÀt und Tagesbefinden zÀhlen neben der Dauer; Fachleute warnen zudem vor den Grenzen von Trackern.
Ein minimalistisch eingerichtetes Schlafzimmer in den frĂŒhen Morgenstunden mit sanftem, natĂŒrlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Die pauschale Annahme, jeder Mensch benötige zwingend acht Stunden Nachtschlaf, gerĂ€t in der Medizin zunehmend in die Kritik. Fachkreise warnen davor, die QualitĂ€t der Nachtruhe rein ĂŒber die Stundenzahl zu definieren.

Zwar liegt der empfohlene Rahmen fĂŒr Erwachsene meist zwischen sieben und neun Stunden, der tatsĂ€chliche Bedarf variiert jedoch von Person zu Person erheblich. Ausschlaggebend fĂŒr die Beurteilung sind vielmehr die individuelle Erholung, die SchlafqualitĂ€t sowie das Ausmaß von TagesschlĂ€frigkeit.

Individueller Bedarf und altersabhÀngige Richtwerte

Schlafmedizinerin Wang Lei Lei vom Schlafzentrum des Peking Huilongguan-Krankenhauses betont, dass die Schlafdauer nicht pauschal bewertet werden sollte, sondern SchlafqualitĂ€t und Tagesenergie entscheidend seien. Empfehlungen sehen fĂŒr SchĂŒler acht bis zehn Stunden sowie fĂŒr Erwachsene sieben bis acht Stunden vor.

Gleichzeitig bewegen sich manche Senioren mit mehr als fĂŒnf Stunden Schlaf und guter Tagesenergie im normalen Bereich. Zudem kommen TrĂ€ger eines spezifischen KurzschlĂ€fer-Gens mit vier bis sechs Stunden aus. Mehrere große Studien deuten laut Wang Lei Lei darauf hin, dass das geringste Gesundheitsrisiko bei sechs bis acht Stunden Schlaf liegt.

Diese Spanne stĂŒtzen auch weitere FachĂ€rzte. Ein Neurologe des Mayapada Hospital Jakarta verweist darauf, dass minimal sechs bis acht Stunden Schlaf ideal seien, wobei das ErholungsgefĂŒhl beim Aufwachen im Vordergrund stehe.

Der Tiefschlaf diene dabei der GedĂ€chtniskonsolidierung und Regeneration; Störungen dieser Phase fĂŒhren zu Benommenheit und TagesmĂŒdigkeit. Zugleich lasse sich verpasster Schlaf am Wochenende physisch nicht einfach nachholen, weshalb konstante Schlafzeiten angeraten werden.

Risiken von Schlafmangel und ĂŒbermĂ€ĂŸigem Schlaf

Wissenschaftliche Erhebungen verdeutlichen, dass sowohl zu wenig als auch zu viel Schlaf mit gesundheitlichen Nachteilen einhergehen kann. Eine im Fachjournal npj Aging publizierte Untersuchung der CHARLS-Kohorte mit knapp 18.000 Chinesen ab 45 Jahren und einer Nachbeobachtungszeit von knapp neun Jahren zeigte, dass die nÀchtliche Schlafdauer und das Gebrechlichkeitsrisiko einer U-Kurve folgen.

Der gĂŒnstigste Bereich lag bei sieben bis neun Stunden. Bei weniger als sieben Stunden, insbesondere unter sechs Stunden, stieg das Risiko deutlich. Werte ĂŒber neun Stunden erhöhten das Risiko ebenfalls, was die Autoren eher als Anzeichen fĂŒr Grunderkrankungen wie Schlafapnoe, SchilddrĂŒsenunterfunktion oder Depressionen werten.

FĂŒr Menschen unter 45 Jahren empfiehlt die Analyse eher eine Ausrichtung auf sieben Stunden. Ein Mittagsschlaf sollte 20 bis 40 Minuten dauern; mehr als 90 Minuten erhöhen bei unregelmĂ€ĂŸigem Nachtschlaf das Risiko.

Eine im Journal PLOS Medicine veröffentlichte Studie der UniversitĂ€t Peking analysierte Daten von rund 100.000 Teilnehmern der UK Biobank, deren Schlafverhalten ĂŒber eine Woche mit MessarmbĂ€ndern erfasst und ĂŒber neun Jahre im Hinblick auf 1.000 Krankheiten beobachtet wurde.

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Eine Schlafdauer von ĂŒber acht Stunden erhöhte demnach das Depressionsrisiko um 60 Prozent, wĂ€hrend weniger als sechs Stunden das Risiko fĂŒr Herzinsuffizienz um 30 Prozent steigerten.

Die REM-Phase, die etwa 20 bis 25 Prozent des Erwachsenenschlafs ausmacht, erwies sich als bedeutsam: Etwa 48 Minuten mehr REM-Schlaf pro Nacht verringerten das Risiko fĂŒr 83 Erkrankungen, darunter das Parkinson-Syndrom um 80 Prozent, Multiple Sklerose um 52 Prozent, Demenz um 46 Prozent und Herzinsuffizienz um 26 Prozent.

Eine Auswertung von Vitality ergab, dass sogenannte Super-SchlĂ€fer neben dem Fehlen chronischer Erkrankungen mindestens 16 Prozent Tiefschlaf und 23 Prozent REM-Schlaf aufweisen. Bei Mitgliedern mit ĂŒber sieben Stunden Schlaf beziehungsweise dieser Gruppe traten 8 Prozent weniger Krankenhausabrechnungen auf. DemgegenĂŒber schliefen 36 Prozent der erfassten Mitglieder unter sieben Stunden und 16 Prozent unter sechs Stunden.

Diagnose und Leitlinien bei Insomnie

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts leidet etwa jeder achte Erwachsene in Deutschland unter Schlafstörungen. Von einer chronischen Insomnie sprechen Mediziner, wenn die Probleme mindestens dreimal pro Woche ĂŒber einen Zeitraum von mindestens drei Monaten anhalten und mit BeeintrĂ€chtigungen am Tag einhergehen.

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Zur Diagnostik genĂŒgen laut Fachleuten hĂ€ufig ein ErstgesprĂ€ch und ein Schlaftagebuch ĂŒber ein bis zwei Wochen; ein Schlaflabor ist nicht zwingend erforderlich.

Als Standardtherapie bei chronischer Insomnie gilt die kognitive Verhaltenstherapie, wie Schlaftherapeutin Christine Blume von den UniversitĂ€ren Psychiatrischen Kliniken Basel darlegt. Diese umfasst ĂŒblicherweise acht Sitzungen Ă  45 Minuten.

Eine etablierte Methode stellt die Bettzeitreduktion dar, bei der die Zeit im Bett vorĂŒbergehend beispielsweise auf sechs Stunden begrenzt wird, um nĂ€chtliche Wachphasen zu reduzieren.

Nach Leitlinien der American Academy of Sleep Medicine (AASM) sollten Betroffene erst bei MĂŒdigkeit ins Bett gehen und bei Schlaflosigkeit wieder aufstehen. Zudem rĂ€t Wang Lei Lei, das Smartphone 30 bis 60 Minuten vor dem Schlafen beiseitezulegen und das Bett nach 20 Minuten Wachliegen zu verlassen.

Grenzen von Schlaftrackern und das PhÀnomen Orthosomnie

Die weitverbreitete Nutzung technischer Hilfsmittel wird von Fachgesellschaften differenziert bewertet. Nach Angaben von Forschern der University of Utah Health hat fast die HĂ€lfte der Erwachsenen bereits Wearables zur Schlafmessung genutzt.

Eine ĂŒbermĂ€ĂŸige Fixierung auf diese Messwerte kann jedoch zur sogenannten Orthosomnie fĂŒhren. Die Deutsche Gesellschaft fĂŒr Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) verweist auf eine Querschnittsstudie mit 523 Erwachsenen, der zufolge die PrĂ€valenz von Orthosomnie je nach Definition zwischen 3,0 und 14,0 Prozent liegt.

Wearables und Apps bilden das Schlafverhalten laut DGSM nur eingeschrÀnkt ab und eignen sich nicht zur medizinischen AbklÀrung von Erkrankungen wie Insomnie oder Schlafapnoe, da sie vor allem Bewegung und Herzfrequenz erfassen.

Eine Vergleichsstudie mit sechs verbreiteten GerÀten zeigte, dass die Erkennung von Schlaf und Wachphasen zwar relativ zuverlÀssig gelang, die ermittelten Schlafstadien jedoch deutlich von der Polysomnographie abwichen.

Tracker unterschÀtzen die Gesamtschlafdauer hÀufig um etwa 15 Prozent, wÀhrend der Leichtschlaf rund die HÀlfte der Nacht ausmacht. Bei Belastungen durch Schlaftracker empfehlen Experten daher eine zweiwöchige Pause bei der Datenaufzeichnung.

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