Schlafapnoe, Hause

Schlafapnoe zu Hause: BestShape VS Night erkennt schwere Fälle mit 96 Prozent

Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 08:54 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der BestShape VS Night erfasst Atemmuster per Radar und KI; in der klinischen Prüfung erkannte das System schwere Schlafapnoe zu 96 Prozent.
Ein minimalistisch eingerichtetes, ruhig wirkendes Schlafzimmer bei Nacht mit sanftem Mondlicht. Illustration mit AI erstellt.

Das taiwanische Medizintechnikunternehmen Wistron MedTech hat mit dem BestShape VS Night einen kontaktlosen Schlafmonitor vorgestellt, der ohne am Körper getragene Sensoren auskommt.

Das Gerät nutzt Millimeterwellen-Radar (mmWave) in Kombination mit künstlicher Intelligenz, um nächtliche Atemmuster zu erfassen, und erstellt am Folgetag einen entsprechenden Auswertungsbericht. Nach Unternehmensangaben handelt es sich um das weltweit erste mmWave-Radar-Schlafmonitorprodukt, das in Taiwan eine behördliche Zulassung als Klasse-2-Medizinprodukt erhalten hat.

Hohe Genauigkeit und Ausbau des Vertriebsnetzwerks

In der klinischen Validierung erzielte das System eine Erkennungsgenauigkeit von 96 % bei der Identifikation schwerer obstruktiver Schlafapnoe (OSA). Um die Technologie in die klinische Versorgung zu integrieren, kündigte Xie Qunying, General Manager von Wistron MedTech, eine Kooperation mit Sintong Biotech an.

Der Vertrieb soll über das Schlafzentrum-Netzwerk von dessen Tochtergesellschaft Yongding Biotech erfolgen, das Kliniken im Norden, im Zentrum sowie im Süden Taiwans abdeckt. Perspektivisch plant das Unternehmen eine Ausweitung der Zusammenarbeit auf Fachbereiche wie Pneumologie, Zahnmedizin, Psychosomatik und Adipositas-Ambulanzen sowie den Eintritt in ausländische Märkte.

Der Bedarf an unkomplizierten Diagnoseverfahren ist hoch. Laut einem Weißbuch der Taiwanischen Gesellschaft für Schlafmedizin und der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC mit dem Titel „Vom Krankenhaus zur Häuslichkeit: Fokus auf die neue Ära der OSA-Versorgung“ erhalten in Taiwan schätzungsweise lediglich rund 10 % der OSA-Patienten eine Diagnose und eine anschließende Behandlung.

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Zunehmender Druck auf Gesundheitssysteme weltweit

Die Unterversorgung bei schlafbezogenen Atmungsstörungen ist auch international ein drängendes Thema. Facharzt Winfried Randerath forderte auf einer Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) ein systematisches Schlafapnoe-Screening. Weltweit sind schätzungsweise 1 Milliarde Menschen von Schlafapnoe betroffen.

Die jährlichen Folgekosten der Erkrankung belaufen sich in Europa einer aktuellen Studie zufolge auf ca. 180–190 Mrd. Euro. Neben einem dreifach erhöhten Unfallrisiko weist ein Drittel der Betroffenen mindestens vier Begleiterkrankungen auf, wobei Adipositas als zentraler Risikofaktor gilt.

DGSM-Tagungspräsident Hans-Günter Weeß bezifferte den Anteil behandlungsbedürftiger Schlafstörungen in der Bevölkerung auf 10 %. Zudem ergab eine Forsa-Umfrage im Auftrag des AOK-Bundesverbands, dass rund 70 % der Befragten pro Nacht weniger als sieben Stunden schlafen.

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Wachsender Markt für Schlafüberwachung

Parallel zu Radarlösungen schreitet die Verlagerung von Schlaflabor-Messungen in das häusliche Umfeld auch auf anderen technischen Wegen voran. ZOLL Itamar erhielt eine FDA-510(k)-Freigabe für das PolySense-Zubehör zum Schlaftestgerät WatchPAT 400. Die Erweiterung verwandelt den Heimtest über selbst anzubringende Patches für Kopf, Herz und Beine in eine häusliche Polysomnographie (PSG), die unter anderem EEG, EKG und Beinbewegungen aufzeichnet. Das System bildet bis zu 11 Kanäle sowie 9 Parameterkategorien ab; die Markteinführung in den USA ist für Anfang Januar 2027 geplant.

Gleichzeitig drängen Konsumentengeräte verstärkt in die Vorfelddiagnostik. Samsung erweitert die KI-gestützte Schlafapnoe-Erkennung auf den Galaxy Ring sowie neuere Smartwatch-Modelle, gestartet im November 2026 nach behördlicher Freigabe zunächst in Südkorea. Der Medizintechnikhersteller Resmed setzt auf Kooperationen mit Anbietern wie Oura und seit Oktober 2026 mit Eight Sleep.

Nach Erhebungen von Resmed stieg der Anteil von Erwachsenen, die Schlaftracking per Wearable nutzen, binnen eines Jahres von 16 % auf 53 %. Zugleich gaben rund 72 % der über entsprechende Partnerschaften weitergeleiteten Nutzer an, zuvor noch nie eine Diagnose für obstruktive Schlafapnoe erhalten zu haben.

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