Schlafzeiten, Sterberisiko

Schlafzeiten: Zu wenig und zu viel erhöhen Sterberisiko deutlich

Veröffentlicht am: 19.09.2026 um 16:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de

TCM-Ärzte empfehlen feste Ruhezeiten, wĂ€hrend Forschende vor Schlafmangel warnen und regelmĂ€ĂŸige sieben bis neun Stunden hervorheben.

TCM und Schlafforschung: Was Schlafzeiten fĂŒr die Gesundheit bedeuten
Ein minimalistisch eingerichtetes Schlafzimmer mit sanftem Tageslicht, das Ruhe und Erholung symbolisiert. Illustration mit AI erstellt.

In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) spielt der sogenannte Ziwu-Schlaf eine zentrale Rolle fĂŒr die Regeneration des Organismus. Mediziner dieser Fachrichtung betonen, dass Ruhephasen zu den Ziwu-Zeiten – konkret in den Spannen von 23 bis 1 Uhr nachts sowie von 11 bis 13 Uhr mittags – die Nierenessenz stĂ€rken und fĂŒr die allgemeine Gesundheit essenziell sind.

Die Praxis stĂŒtzt sich auf ĂŒberlieferte Konzepte des biologischen Rhythmus. Der TCM-Arzt Pi Chiheng legt beispielsweise seit Jahren Wert darauf, um 23 Uhr zu schlafen und mittags eine kurze Pause einzulegen. Nach Ansicht der Ärztin Guo Axia nĂ€hrt insbesondere der Mittagsschlaf zwischen 11 und 13 Uhr das Nieren-Yang; sie rĂ€t zu einer Schlafdauer von 30 Minuten.

Rhythmen und saisonale Empfehlungen der TCM

Die chinesische Medizin verknĂŒpft Schlafzeiten eng mit den Jahreszeiten. Yang Ping, ChefĂ€rztin am Zentrum fĂŒr TCM-Diagnostik und -Therapie fĂŒr psychische Erkrankungen des Zweiten Volkskrankenhauses der Provinz Hunan, erlĂ€utert, dass man nach der Periode des „Weißen Taus“ (Bailu) vor 23 Uhr zu Bett gehen und mittags von 11 bis 13 Uhr fĂŒr 20 bis 30 Minuten ruhen sollte.

In dieser Phase treten tagsĂŒber Höchsttemperaturen von etwa 30 °C bei großen Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nacht auf, begleitet von ĂŒberwiegend trockener WĂ€rme.

Vor diesem Hintergrund empfiehlt die Medizinerin weniger scharfe und mehr saure Speisen, gezielten Feuchtigkeits- und FlĂŒssigkeitsschutz, eine Raumfeuchtigkeit von 45 % bis 60 % sowie körperliche Bewegung bis zum leichten Schwitzen.

Historische Texte untermauern diese Praxis. Facharzt Li Wenjian und stellvertretender Chefarzt Su Hong von der Abteilung fĂŒr Pneumologie des Dritten Affiliierten Krankenhauses der Guangzhou-UniversitĂ€t fĂŒr Chinesische Medizin verweisen auf das klassische Werk Huangdi Neijing. Dieses empfiehlt fĂŒr den Herbst einen Rhythmus wie beim GeflĂŒgel: Einschlafen zwischen 21 und 23 Uhr sowie Aufstehen zwischen 5 und 7 Uhr.

Zudem raten Li Wenjian und Su Hong dazu, das Abendessen vor 18 bis 19 Uhr abzuschließen und sich nur zu sieben Zehnteln zu sĂ€ttigen. Eine Stunde vor dem Zubettgehen solle das Mobiltelefon weggelegt und ein Fußbad genommen werden.

Risiken von Schlafmangel und nephrologische Befunde

Die VernachlĂ€ssigung des Schlafs kann erhebliche gesundheitliche Folgen haben. Berichtet wird ĂŒber einen 25-jĂ€hrigen Mann in Ningbo, der nach drei Jahren anhaltenden Schlafmangels – er schlief regelmĂ€ĂŸig erst zwischen 1 und 2 Uhr nachts und kam auf nur 5 bis 6 Stunden Schlaf pro Nacht – an UrĂ€mie und Nierenversagen erkrankte.

Sein Kreatininwert erreichte 2000 ?mol/L. Der behandelnde Arzt wies darauf hin, dass eine chronische Nephritis ĂŒber lange ZeitrĂ€ume symptomlos verlĂ€uft, und empfahl Urintests zur frĂŒhzeitigen Vorbeugung.

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Die Deutsche Gesellschaft fĂŒr Nephrologie (DGfN), die ihre 18. Jahrestagung vom 8. bis 11. Oktober 2026 in Leipzig veranstaltet, betont ebenfalls die TĂŒcke schleichender VerlĂ€ufe: Etwa die HĂ€lfte der Menschen mit HerzschwĂ€che leidet an einer oft unentdeckten chronischen Nierenkrankheit (CKD).

Nach Angaben der DGfN reicht der Kreatininwert allein zur Diagnose nicht aus; zusÀtzlich sollten die Filtrationsrate eGFR sowie der Urin-Albumin-Wert (UACR) bestimmt werden.

Mediziner stellen jedoch klar, dass Nachtarbeit selten die alleinige Ursache fĂŒr eine Verschlimmerung von Nierenerkrankungen darstellt. Zu den wesentlichen Treibern zĂ€hlen vielmehr eine wiederholt salzreiche ErnĂ€hrung, das Trinken erst bei Durst oder exzessives Trinken, der Konsum anderer GetrĂ€nke anstelle von Wasser, unkontrollierte Medikamenteneinnahme sowie das gewohnheitsmĂ€ĂŸige ZurĂŒckhalten des Urins.

Ein hoher Salzgehalt fĂŒhre zu einem NatriumĂŒberschuss und erhöhtem Druck in den Glomeruli, wĂ€hrend das ZurĂŒckhalten des Urins Pyelonephritis und Hydronephrose begĂŒnstigen könne.

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Westliche Schlafforschung und Differenzen

In Teilen weichen die Erkenntnisse der westlichen Schlafforschung von den Annahmen der TCM ab. Die Schlafforscherin Dr. Christine Blume hÀlt fest, dass Schlaf vor Mitternacht biologisch nicht per se besser sei. WÀhrend Alkohol die SchlafqualitÀt mindere und Frauen im Schnitt mehr schliefen als MÀnner, beeinflusse das Handy am Bett den Schlaf laut aktueller Studienlage nicht negativ.

FĂŒr einen Powernap empfiehlt sie maximal 30 Minuten am frĂŒhen Nachmittag. Zugleich warnt sie vor dauerhaftem Schlafmangel, der das Risiko fĂŒr Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Depressionen und Diabetes Typ 2 signifikant erhöhe.

Schlafforscher Hans-GĂŒnter Weeß beziffert den Schlafbedarf fĂŒr rund 80 % der Bevölkerung auf 7 bis 9 Stunden; 6 Stunden seien meist zu wenig. Diese Spanne stĂŒtzt auch die National Sleep Foundation: FĂŒr Erwachsene zwischen 18 und 64 Jahren empfiehlt sie 7 bis 9 Stunden, ab 65 Jahren 5 bis 9 Stunden.

KurzschlĂ€fer mit weniger als 7 Stunden weisen der Organisation zufolge ein um 12 % erhöhtes Sterberisiko auf, wĂ€hrend LangschlĂ€fer mit mehr als 8 bis 9 Stunden ein um 30 % höheres Risiko tragen. RegelmĂ€ĂŸiger Schlaf von ĂŒber 9 bis 10 Stunden kann zudem mit MĂŒdigkeit, Konzentrationsproblemen, Gewichtszunahme und SchlaganfĂ€llen einhergehen.

Eine Untersuchung aus dem Jahr 2024 mit ĂŒber 61.000 Teilnehmern zeigte ferner, dass besonders regelmĂ€ĂŸige Schlafzeiten mit einem um 20 bis 48 % geringeren Sterberisiko verbunden sind; als optimal gelten 7 bis 9 Stunden Schlaf bei 15 bis 19 Grad, idealerweise 18 Grad, Raumtemperatur.

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